IWF-Nachfolge: EU schickt Strauss-Kahn ins Rennen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

IWF-Nachfolge EU schickt Strauss-Kahn ins Rennen

Sarkozy hat sich durchgesetzt: Die 27 EU-Staaten haben sich auf den Franzosen Dominique Strauss-Kahn als Kandidaten für den Chef-Posten des Internationalen Währungsfonds (IWF) geeinigt. Nur England protestiert - und stellt das traditionelle Vorschlagsrecht der Europäer in Frage.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Brüssel - "Der Rat der Finanzminister ist sich einig, Strauss-Kahn als IWF-Direktor zu unterstützen", teilte die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft heute am Rande von Beratungen in Brüssel mit. Die Europäer haben sich damit überraschend schnell auf einen gemeinsamen Kandidaten für die Nachfolge des amtierenden Chefs des Internationalen Währungsfonds, Rodrigo Rato, geeinigt, der im Oktober zurücktritt.

Im Tauziehen um die künftige Besetzung der IWF-Spitze hatte sich Frankreichs neuer Präsident Sarkozy bereits für den sozialistischen Politiker Strauss-Kahn ausgesprochen. Er hatte die Kandidatur schon dem US-Präsidenten George W. Bush, dem britischen Regierungschef Gordon Brown und dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero präsentiert. Aus der Bundesregierung hieß es bislang nur, Strauss-Kahn sei ein starker europäischer Kandidat.

Widerstand gegen den französischen Kandidaten war in den vergangenen Tagen von Seiten der Unionsfraktion gekommen: Sollte der ehemalige französische Finanzminister IWF-Chef werden, seien alle internationalen Wirtschaftspositionen mit Franzosen besetzt, hatte CDU-Finanzexperte Steffen Kampeter gestern kritisiert. Außerdem sei Strauss-Kahn ein Vertreter des Staatsinterventionismus. Auch aus anderen Ländern waren Kandidaten ins Spiel gebracht worden, etwa der ehemalige polnische Notenbank-Chef Leszek Balcerowicz oder Italiens Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa.

Großbritannien hat unterdessen den europäischen Anspruch auf den Posten grundsätzlich in Frage gestellt. Die Auswahl eines Nachfolgers für den amtierenden IWF-Chef Rodrigo de Rato sollte ein "offener Prozess" sein, sagte britische Finanzminister Alistair Darling in einem Interview der britischen Zeitung "The Guardian". "Ich finde, Europa kann nicht einfach sagen: 'Dieser Posten gehört uns'", wurde der britische Minister zitiert.

Seit der Schaffung des IWF im Jahr 1945 war der Direktor des Währungsfonds immer ein Europäer, während der Präsident der Weltbank von den USA benannt wurde. Große Schwellenländer wie Brasilien und Indien haben diese Tradition jedoch wiederholt kritisiert.

sam/Reuters/AP/dpa

Verwandte Artikel