IWF Strauss-Kahn bleibt trotz Affäre im Amt
Hamburg/Washington - Madame Strauss-Kahn betrachtet den Vorfall als "One-Night-Stand". Also Schwamm drüber, findet die großzügige Französin. Und auch beruflich muss Dominique Strauss-Kahn keine Konsequenzen mehr befürchten, nachdem sein Arbeitgeber Ermittlungen wegen einer Affäre des IWF-Chefs mit einer Mitarbeiterin beendet hat: Der Verwaltungsrat des Internationalen Währungsfonds sprach dem Franzosen das Vertrauen aus. Strauss-Kahn habe seine Position nicht missbraucht, erklärte der IWF-Verwaltungsrat am Samstagabend in Washington.
Dennoch rügte das Gremium den IWF-Chef: Sein Handeln sei "bedauerlich" und beruhe auf einem "schweren Fehlurteil". Strauss-Kahn habe der Geliebten allerdings weder Vorteile verschafft, noch sie sexuell belästigt, erklärte der Verwaltungsrat unter Berufung auf eine externe Untersuchung des Vorfalls. Die Affäre, für die sich der IWF-Chef inzwischen entschuldigt hat, werde damit als abgeschlossen betrachtet.
Der IWF hatte prüfen lassen, ob Strauss-Kahn sein Amt missbraucht hat. Dabei ging es um eine kurze Affäre zu der Volkswirtin Piroska Nagy zu Jahresbeginn, die damals in der Afrika-Abteilung des IWF arbeitete. Strauss-Kahn selbst hatte erklärt, es habe zwar im Januar "einen Vorfall" in seinem Privatleben gegeben. Er habe aber zu keinem Zeitpunkt seine berufliche Position missbraucht.
Die Vorwürfe waren besonders sensibel mit Blick auf den Rücktritt des früheren Weltbank-Präsidenten Paul Wolfowitz vor 15 Monaten. Er hatte seiner Lebensgefährtin, einer Angestellten der Weltbank, zur Beförderung mit einer beträchtlichen Gehaltserhöhung verholfen, was ihm den Vorwurf der Günstlingswirtschaft eintrug.
Der ehemalige französische Finanzminister Strauss-Kahn steht seit September 2007 an der IWF-Spitze und ist mit einer angesehenen Fernsehjournalistin verheiratet. Nagy ist mit dem international renommierten Finanzexperten und ehemaligen argentinischen Zentralbankchef Mario Blejer verheiratet. In einer E-Mail hatte Strauss-Kahn am Montag geschrieben, er bitte die IWF-Beschäftigten, Nagy und seine Frau um Vergebung.
Der konservative französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte den Sozialisten - und damals noch potentiellen Rivalen - für den Posten vorgeschlagen und in der EU erfolgreich um Unterstützung dafür geworben. Nach seinem Antritt versprach Strauss-Kahn, den in die Jahre gekommenen IWF zu reformieren.
Zurzeit steht die Organisation mit ihren 185 Mitgliedsstaaten im Zentrum der weltweiten Finanzkrise, da unter seiner Führung eine effizientere Aufsicht über das globale Finanzwesen realisiert werden könnte.
flo/AP/Reuters