IWF-Tagung Schmidt rechnet mit Währungsfonds ab
Berlin/Havanna - Der IWF trage erhebliche Mitverantwortung für die verheerenden Wirtschaftskrisen der vergangenen Jahre in Südamerika, Russland und Südostasien, sagte Schmidt der "Berliner Morgenpost". Der Währungsfonds habe durch seine Maßnahmen weniger den betroffenen Ländern geholfen, als vielmehr risikoreiche Transaktionen von Banken in den USA und Europa gerettet, die leichtfertig Kredite vergeben hätten.
Der Altkanzler forderte den IWF auf, keine Entwicklungspolitik zu betreiben, da er davon nicht genug verstehe. Er warf dem IWF vor, sich in Zuständigkeiten der Weltbank eingemischt zu haben, nachdem die eigentliche Aufgabe des IWF, das frühere System fester Wechselkurse zu garantieren, 1973 weggefallen sei. Der SPD-Politiker rief dazu auf, die künftigen Aufgaben des Währungsfonds zu überdenken.
Beim Gipfeltreffen von Entwicklungsländern der "Gruppe der 77" in Havanna forderte Kubas Staatschef Fidel Castro gleich die komplette Abschaffung des IWF. Er verlangte ein Verfahren nach dem Vorbild der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, bei dem die gegenwärtige Weltwirtschaftsordnung angeklagt werden müsse. An dem Treffen nehmen 42 Staats- und Regierungschefs teil, darunter auch Südafrikas Präsident Thabo Mbeki und Palästinenserpräsident Jassir Arafat.
Weltbank-Präsident James Wolfensohn äußerte sich enttäuscht über Anti-IWF-Proteste in Washington. Er bedauere die Aufforderung der Initiatoren der Proteste an regierungsunabhängige Organisationen, sich nicht an den Beratungen des Fonds und der Bank zu beteiligen.
IWF-Chefvolkswirt Michael Mussa hatte zuvor sogar erklärt, die Demonstranten sollten vielmehr gegen US-Politiker protestieren, die Einfluss auf die amerikanische Entwicklungshilfe hätten. In Washington gingen derweil am Mittwoch etwa 15.000 Menschen auf die Straße, um gegen einen Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation zu demonstrieren.