Jack Grubman Der schlechteste Analyst aller Zeiten
Wenn jemand Fehler macht und der Firma damit schadet, muss er gehen - könnte man meinen. Telekommunikationsanalyst Jack Grubman macht riesige Fehler. Seine Aktienempfehlungen lesen sich wie blanker Hohn. Im März 2001, als sich die Katastrophe der Telekommunikationsindustrie bereits ankündigte, schrieb er in einer Analyse: In den nächsten 12 bis 18 Monaten werden die Investoren auf die jetzigen Preise zurückschauen und wünschen, dass sie eingestiegen wären".
Fünf der zehn Aktien werden nun für weniger als einen Dollar gehandelt, drei der Firmen sind bereits bankrott. Noch im April 2001 empfahl er Pleitier Global Crossing unter der Überschrift: "Keine Panik". Als die Aktie dann unter einen Dollar fiel, nahm er seine Einschätzung von "Kaufen" auf "Neutral" zurück. Als Global Crossing im Januar 2002 endgültig pleite war, stoppte Grubman einfach seine "Analyse". Ein Anleger, der Grubmans Kaufempfehlungen seit Februar 1991 gefolgt wäre, hätte mindestens 74,5 Prozent des eingesetzten Kapitals verloren, rechnet das "Money Magazine" vor und fragt: "Ist das der schlechteste Analyst aller Zeiten?"
Sogar vor Gericht muss sich der Analyst von Salomon Smith Barney verantworten. Ein Privatanleger, der sich auf Grubmans Rat hin mit Global-Crossing-Aktien eindeckte, fordert nun 10 Millionen Dollar Schadenersatz. Außerdem fordert der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer die Herausgabe aller Unterlagen, die Grubman für seine haarsträubenden Analysen verwendet hat.
Aber Grubman, der an der Wall Street lange Zeit als "King of Telecom" gefeiert wurde, muss sich wenig Sorgen machen. Die Bank steht voll hinter ihrem gefallenen Star. "Jack spielte und spielt eine Hauptrolle in unserer Analyse-Abteilung", sagt sein Chef Kevin McCaffrey. Grubman, der laut "Wall Street Journal" rund 20 Millionen Dollar im Jahr verdient, wird auf keinen Fall vor die Tür gesetzt.
Für dieses seltsame Verhalten des Arbeitgebers gibt es mindestens zwei gute Gründe. Erstens wäre es ziemlich gefährlich, einen Firmeninsider zum Feind zu haben, wenn gerade die Staatsanwälte gegen das Unternehmen ermitteln. Zweitens war Grubman für Salomon Smith Barney pures Gold wert. Wie kein anderer verstand er es, die Anleger zu immer neuen Investitionen in den Telekommunikationssektor anzuspornen. Gleichzeitig arbeitete er für einige der Firmen als Berater und verschaffte seiner Bank damit wertvolle Investmentbanking-Aufträge. In den Boomjahren machte ihn das zum einflussreichsten Telekommunikationsanalysen der Wall Street. Ende 1998 ließ er sich zu dem prahlerischen Satz verleiten: "Ich forme diese Industrie". Er hätte sie ja nicht gleich erwürgen müssen.