Jahresbilanz: EADS-Boss kritisiert Amtsvorgänger - DER SPIEGEL
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Jahresbilanz EADS-Boss kritisiert Amtsvorgänger

Wenn es um die Abrechnung mit den Fehlern seiner Vorgänger geht, nimmt der neue EADS-Co-Chef Tom Enders kein Blatt vor den Mund. Die aktuelle Krise sei hausgemacht, resümierte er in einer ersten Bilanz - und sie keinesfalls kurzfristig zu überwinden.
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München - Sein erstes volles Jahr als Co-Chef des Rüstungs- und Flugzeugbaukonzerns EADS hatte sich Tom Enders anders vorgestellt. "2006 ist für uns das 'annus horribilis'", sagte der 47-Jährige gestern Abend in München. In diesem "schrecklichen Jahr" musste der Konzern milliardenschwere Belastungen durch Verzögerungen beim Riesenflieger A380 ebenso eingestehen wie eine kostspielige Fehlplanung beim neuen Langstreckenflugzeug A350. Mehrere Manager mussten ihren Hut nehmen, darunter auch der umstrittene französische Co-Chef Noël Forgeard. Bei der Flugzeugbau-Tochter Airbus wird die Bewältigung der Krise nach Enders Einschätzung noch lange dauern. "Was man in einigen Jahren vermurkst hat, kann man nicht in wenigen Monaten gerade biegen."

Der frühere Fallschirmspringer Enders, der vor seinem Wechsel in die Industrie im Planungsstab des Bundesverteidigungsministeriums arbeitete, entschied sich für die schonungslose Analyse. Ein großer Teil der Probleme sei hausgemacht. Airbus sei über Jahre an der zu langen Leine geführt worden, einzelne Sparten und Länder hätten nebeneinander hergearbeitet, ohne Synergien zu nutzen. Im Bereich der Langstreckenflugzeuge habe Airbus mit seinem ersten Entwurf für ein neues A350-Modell an seinen Kunden vorbeigeplant. "Wir haben die 787 von Boeing unterschätzt und sind von unseren Kunden eines Besseren belehrt worden."

Inzwischen wird die Entwicklung des neuen A350 auf zehn Milliarden Euro veranschlagt - mehr als doppelt so viel wie ursprünglich geplant. Zudem wird das Flugzeug fünf Jahre nach der 787 von Boeing auf den Markt kommen. "Es ist ein Marathonlauf, die volle Wettbewerbsfähigkeit von Airbus wiederherzustellen." Auf dem Weg dahin will die EADS sich durchaus einiges vom Erzrivalen abschauen. Man beobachte genau, wie die Sanierung bei Boeing gelaufen sei und welche Ergebnisse man dort zum Beispiel durch den Verkauf von Werken erzielt habe, sagte Enders.

Allerdings räumte er auch gleich ein, dass solche Themen heikel seien in einem Konzern, in dem das fragile deutsch-französische Gleichgewicht und der Einfluss der Politik harte Einschnitte erschweren.

EADS war vor sechs Jahren im Kern aus dem Zusammenschluss der deutschen Dasa mit der französischen Aerospatiale Matra hervor gegangen. Damit wollten die Unternehmen eine Pilotfunktion beim weiteren europäischen Zusammenwachsen in Europa übernehmen. Doch daraus ist wenig geworden. Selbst die geringsten Erwartungen an die Politik in Sachen Europäisierung - wie zum Beispiel an eine Harmonisierung der Rahmenbedingungen - hätten sich nicht erfüllt, sagte Enders. Fortschritte seien "bestenfalls im Schneckentempo" festzustellen, teilweise sei das Rad sogar zurückgedreht worden. Die nationalen Sensibilitäten seien keinesfalls geringer geworden.

"Dieses Europa ist für die Ausbeutung des Synergiepotenzials nicht sehr zweckdienlich." Politischer Druck - egal von welcher Seite - ist Enders, der in der Bundeswehr zum Major der Reserve aufgestiegen war, ein Dorn im Auge. "Ich freue mich grundsätzlich nur über den Druck, den ich mir selbst mache."

EADS wolle die aktuellen Probleme als Chance nutzen, fügte der Spitzenmanager hinzu. Andere Firmen seien aus vergleichbaren Krisen gestärkt hervorgegangen. Zudem seien die anderen Sparten - wie der Verteidigungsbereich und die Raumfahrt - gut unterwegs. Daher sei hoffentlich bald Schluss mit den Negativschlagzeilen des einstigen europäischen Vorzeigeprojekts. "Wir haben unser Soll in diesem Jahr übererfüllt, das müsste für ein paar Jahre reichen."

Von Axel Höpner, dpa-AFX

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