Jan, 28, Informatikstudent "Ich brauche kein Auto, ich trampe"
"Ich lebe seit Jahren am Limit, aber jetzt, da die Energiepreise ständig steigen, wird es am Monatsende wirklich eng. Ich bekomme von meiner Familie 650 Euro im Monat. Arbeiten gehe ich nicht, mein Studium ist sehr lernintensiv.
Das meiste Geld geht in meiner WG für Strom drauf. Wir haben eine Nachtspeicherheizung, und ich betreibe einen eigenen Server, der läuft rund um die Uhr - Informatikstudent halt. Insgesamt zahlt meine WG im Monat gut 154 Euro Strom, das ist mehr als ich für mein Zimmer Miete zahle.
Um die Stromkosten zu bezahlen, bin ich in anderen Lebensbereichen sparsam. Ich esse meistens Nudeln oder Kartoffeln oder Reis mit irgendwas, und ich brauche seit längerem neue Schuhe. Meine haben Löcher, die habe ich selbst versucht zu flicken. Hat nicht wirklich funktioniert.
Beim Heizen war ich schon immer recht sparsam. In meinem ersten WG-Jahr habe ich sogar mal einen Winter lang null geheizt. Mein damaliger Mitbewohner hat mit Segelhandschuhen auf dem Bett gelegen und Skizzen gezeichnet. Das ganze war aber eher eine Art Selbstabhärtung. Wir wollten halt mal sehen, wie weit wir gehen können und haben das dann durchgezogen.
Heute würde ich so was wohl nicht mehr machen. Wenn ich zwischen Strom und Heizung wählen müsste, würde ich den Server abschalten. Und wenn dieses Jahr eine fette Strom- und Heizkostennachzahlung kommt, was zu befürchten steht, werde ich wohl jobben gehen.
Ein Auto werde ich mir nicht so schnell kaufen, selbst wenn ich deutlich mehr Geld habe. In meiner Stadt komme ich überall gut mit dem Rad hin. Wenn ich in eine andere Stadt will, nutze ich die Mitfahrzentrale, oder ich trampe. Erst vergangenes Wochenende bin ich so bis nach Berlin gefahren, um mir ein Ärzte-Konzert anzusehen."
Aufgezeichnet von Stefan Schultz