Japan: Ende der Nullzins-Politik - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Japan Ende der Nullzins-Politik

Die japanische Notenbank hat erstmals seit zehn Jahren ihre Zinsen angehoben. Der japanische Ministerpräsident kritisierte die Entscheidung als voreilig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tokio - Die Notenbank hatte vor 18 Monaten die Zinsen auf nahezu Null geführt, um zu verhindern, dass Japans Wirtschaft in Folge der Bankenkrise in eine Deflationsspirale mit sinkenden Preisen gerät. Nun wird der Tagesgeldsatz voraussichtlich auf etwa 0,25 Prozent angehoben, der Diskontsatz soll dagegen bei 0,5 Prozent belassen werden.

Bis zuletzt hatte die Zentralbank unter politischem Druck gestanden, aus Sorge um die noch zarte Konjunkturerholung an ihrem Nullzins-Kurs festzuhalten. Obgleich die Geldpolitik Sache der Bank von Japan ist, hatten sich zuletzt der Regierungschef sowie mehrere Minister öffentlich gegen eine Erhöhung der Zinsen ausgesprochen. Der japanische Ministerpräsident Yoshiro Mori sagte unmittelbar nach der Zinsentscheidung, dieser Schritt sei voreilig gewesen.

Zentralbankchef Masaru Hayami hatte dagegen wiederholt klar gemacht, dass Japans Wirtschaft reif sei für eine Zinserhöhung. Ein Ende des Deflationsdrucks sei absehbar. Daher sollte zur Normalität zurückgekehrt und die faktische Nullzins-Politik aufgehoben werden.

Ein weiteres Nachgeben auf den politischen Druck hätte nach Ansicht von Analysten die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik in Frage gestellt. Die Bank von Japan hatte erst 1998 per Gesetz ihre volle Unabhängigkeit erhalten.

Japans Geldpolitiker haben nun erstmals seit August 1990 einen Schlüsselzinssatz erhöht. An Tokios Aktienmarkt war der nach Börsenschluss erfolgte Zinsbeschluss bereits vorweggenommen worden. Der Nikkei-225-Index legte am Freitag um 0,9 Prozent zu.

Auch nach ihrem Zinsbeschluss dürfte die Zentralbank nach Ansicht von Analysten weiter eine Politik des billigen Geldes betreiben, um den Aufschwung der Wirtschaft zu fördern. Große Sorge bereitet weiter die Schwäche des privaten Verbrauchs.