Japan: Ex-Dotcom-Star Horie muss ins Gefängnis - DER SPIEGEL
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Japan Ex-Dotcom-Star Horie muss ins Gefängnis

Er galt als schräger Popstar in der konservativen japanischen Wirtschaftswelt, dann sorgte Takafumie Horie mit einem Bilanz-Skandal für ein beispielloses Börsenbeben: Jetzt ist der Gründer des Internetimperiums Livedoor zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.
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Tokio - Horie habe mit einem ausgeklügelten Netzwerk von Lockvogel-Investmentfonds nichts anderes verfolgt, als Gesetze zu umgehen und die Bilanz seines Unternehmens Livedoor zu manipulieren, erklärte der vorsitzende Richter Toshiyuki Kosaka. Mit dem Urteil ist Horie sogar noch einigermaßen glimpflich davon gekommen. Die Staatsanwaltschaft hatte im Dezember vier Jahre Gefängnis für den 34-Jährigen gefordert. Horie wies bis zum Schluss jede Schuld von sich.

Der Livedoor-Skandal hatte Anfang 2006 in Japan beispiellose Turbulenzen ausgelöst. Nachdem die Ermittlungen bekannt geworden waren, musste die Börse in Tokio erstmals in ihrer Geschichte den Handel aussetzen: Eine Flut von Verkaufsanträgen hatte das Computersystem völlig überfordert.

Der Skandal schlug umso höhere Wellen, als Horie schon zuvor eine besonders schillernde Figur gewesen war. Der exzentrische Jungunternehmer, der sich in seinem Auftreten und seinen Geschäftsmethoden stets provokativ von der konservativen japanischen Geschäftswelt abzusetzen bemühte, hatte in kürzester Zeit etliche Firmen aufgekauft und sich ein mächtiges Internet-Imperium aufgebaut. Mit seinen Web-Aktivitäten, Internetauktionen, DVD-Verleih und Beratungsdiensten war Livedoor zwischenzeitlich 4,6 Milliarden Euro wert.

Den einen galt Horie als skrupellos, den anderen als Rebell. Vollkommen aus der Reihe fiel er in Japan alle mal. Er hatte sein Studium geschmissen, trug T-Shirts statt Anzügen, machte eine eigene CD. Er versuchte, ein in die Krise geratenes Baseballteam zu kaufen und schrieb ein Buch mit dem Titel "Anleitung zum Reichwerden: Wie man zehn Milliarden verdient". Darin brach er so ziemlich alle Tabus der konfuzianisch geprägten Nation, die es gibt. "Das Nutzloseste sind Predigten alter Leute", lästert er etwa gegen die sonst hoch geschätzte Generation. "Solche Menschen leben nur lange, haben aber keine besonderen Informationen."

Horie wurde im Januar 2006 verhaftet und drei Monate später gegen eine Millionen-Kaution auf freien Fuß gesetzt. Das öffentliche Interesse am Prozess war riesig. Das Urteil wurde, kurz nachdem Horie den Gerichtssaal betreten hatte, verlesen. Hunderte Journalisten verfolgten den Prozess. Noch allerdings ist das letzte Wort nicht gesprochen. Hories Anwälte kündigten Berufung an.

Hories Unternehmen ist derweil weitgehend am Ende. Im April wurden die Livedoor-Aktien an der Tokioter Börse aus dem Handel genommen. Zuvor hatte es einen "Livedoor-Schock" gegeben, als Zehntausende Livedoor-Aktionäre versuchten, ihre Aktien zu verkaufen. Sie waren seit Hories Festnahme um mehr als 90 Prozent gefallen. Zeitweise konnte die Tokioter Börse den Ansturm der verkaufswilligen Livedoor-Kunden - einst fast 220.000 - nicht bewältigen.

ase/AP/AFP