Japanischer Manager Horie: Wirtschaftsrebell vor Gericht - DER SPIEGEL
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Japanischer Manager Horie Wirtschaftsrebell vor Gericht

Takafumi Horie war der Popstar der japanischen Wirtschaft. Doch weil der Ex-Chef der Internetfirma Livedoor Bilanzen gefälscht haben soll, steht er heute vor Gericht. Tausende von Menschen wollten dabei sein.
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Tokio – Der Rebell der japanischen Wirtschaft erschien vor Gericht wie ein braver Junge. Nach einer leichten Verbeugung im dezenten Zweiteiler beteuerte Takafumi Horie im Gerichtssaal seine Unschuld - beobachtet vom ganzen Land. Das Fernsehen übertrug den Prozessbeginn live. Schon Stunden vor Beginn hatten rund 2000 Menschen vor dem Gericht gewartet, um einen der 61 Zuschauerplätze zu ergattern.

Horie ist ein Idol der japanischen Jugend. Der Studienabbrecher hatte immer wieder gegen die steifen Regeln des japanischen Establishments rebelliert. Er trug T-Shirt statt Anzug und war für seine flotten Sprüche bekannt. So versprach er, binnen fünf Jahren dafür zu sorgen, dass Weltraumtouristen zu mehrtägigen Trips in die Erdumlaufbahn aufbrechen könnten. Mit einer eigenen CD drängte Horie sogar auf den japanischen Musikmarkt.

Und sein Unternehmen Livedoor wurde zu einer Erfolgsgeschichte, die das ganze Land in Staunen versetzte. Mit Web-Aktivitäten, DVD-Verleih, Internet-Auktionen und Beratungsdiensten machte er die Firma zu einem der bedeutendsten IT-Konzerne Japans, dessen Wert zu Spitzenzeiten auf 4,6 Milliarden Euro anwuchs.

Auch Ministerpräsident Junichiro Koizumi war von Hories Fähigkeiten überzeugt: Er bat den 33-Jährigen, für einen Sitz im japanischen Unterhaus zu kandidieren. Horie trat an und verlor. Doch durch die öffentlichen Auftritte stärkte er seinen Ruf als Rebell nur noch mehr.

Im Januar diesen Jahres kam der große Knall. Horie wurde festgenommen, weil er Umsatz und Gewinn von Livedoor um Millionenbeträge aufgebläht und den Aktienkurs manipuliert haben soll. "Das Establishment schlägt nun zurück", meinte damals ein westlicher Diplomat.

Die japanische Börse reagierte mit panischen Verkäufen und musste zum ersten Mal in ihrer Geschichte sogar den Handel einstellen. Viele Analysten sprachen vom "Livedoor-Schock". Endgültig zur Tragödie wurde der Skandal durch den Selbstmord eines engen Mitarbeiters Hories. Dieser hatte sich kurz nach Hausdurchsuchungen der Polizei die Pulsadern aufgeschnitten.

Zahlreiche Details belasten Horie: Mitte Mai hatten vier seiner Topmanager bei ihren Prozessen die Bilanzfälschung bereits gestanden. Das heute gestartete Verfahren könnte deshalb der letzte große Auftritt des prominenten Ex-Chefs von Livedoor sein. Bei Verurteiltung droht Horie eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

bay/Reuters/AP/AFP