Japans Auto-Industrie: Das zweite Leben der Samurai - DER SPIEGEL
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Japans Auto-Industrie Das zweite Leben der Samurai

VW altert, Chrysler schrumpft, Ford kränkelt seit Jahren - viele Autokonzerne in den USA oder Europa haben schon bessere Zeiten erlebt. Umso auffälliger, dass Japans Autohersteller zu imposanter Stärke zurückfinden - einer nach dem anderen meldet Rekordgewinne.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Tokio - Für Honda war es fast eine Frage der Ehre. Am Freitag legte der Autobauer seine Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. Und wie schon bei den Konkurrenten Mitsubishi und Nissan sahen auch hier die Zahlen beeindruckend, ja imposant aus. Um ganze 17,6 Prozent ist der Gewinn gestiegen, netto verdiente der Konzern 3,3 Milliarden Euro.

Damit ist die Effizienz-Maschine Honda noch einmal leistungsstärker geworden - denn die Gewinne stiegen deutlich stärker als der Umsatz. Nicht, dass der sich nicht sehen lassen könnte. Immerhin nahm der Konzern hier insgesamt 7,9 Billionen Yen ein - stattliche 8,3 Prozent mehr als im Jahr davor.

Billiger, besser, höher hinaus

Das ist umso beeindruckender, als Honda in großem Maße vom amerikanischen Markt abhängig ist - und an dem haben die heimischen Hersteller wie Ford oder Chrysler nach brutalen Rabattschlachten keine rechte Freude mehr. Doch da der Yen aus dem Kurstief noch immer nicht herausgekommen ist, verfügt Honda über einen Preisvorteil. Und der wurde noch größer, weil der Konzern seine Kosten abermals senken konnte und auch weiter senken will.

Und so nimmt Honda auch für 2003 neue Rekordmarken ins Visier - obwohl die Lage in Amerika kaum einfacher werden wird. Der Gewinn soll abermals um 3,1 Prozent, der Umsatz um 4,1 Prozent steigen.

Diamanten strahlen wieder

Auch Mitsubishi Motors hat es geschafft, in einem unwirtlichen Umfeld neue Bestmarken zu setzen. Allerdings benötigte der Konzern dafür, anders als Honda, ausländische Hilfe. Unter der Führung des früheren DaimlerChrysler-Managers Rolf Eckrodt hat das Unternehmen mit den drei Diamanten im Logo ebenfalls den höchsten Nettogewinn in seiner Geschichte eingefahren.

Verglichen mit dem bei Honda sieht das Zahlenwerk indes deutlich bescheidener aus: Der Mitsubishi-Nettoertrag summierte sich auf 38 Milliarden Yen, rund 292 Millionen Euro. Der operative Gewinn ist mehr als doppelt so hoch. Für einen Konzern, an dessen Zukunftsfähigkeit vor dem Einstieg der Deutschen gezweifelt wurde, ist dies indes ein mehr als vorzeigbares Ergebnis. Zudem habe Mitsubishi seine eigenen Prognosen trotz der schwierigen Marktlage übertroffen, lobte sich Eckrodt selbst. So stieg etwa der Umsatz trotz aller Sparbemühungen deutlich - und zum ersten Mal seit 1997.

Der libanesisch-brasilianische Magier

Nachdem das Lkw-Geschäft abgetrennt worden ist, will sich Mitsubishi nun nach Eckrodts Worten vollauf aufs Pkw-Geschäft konzentrieren - das soll weiteres Wachstum der Umsätze und Gewinne garantieren. Ein wenig mulmig könnte den Managern allenfalls beim Blick auf die Schuldenbilanz werden - die verzinsten Schulden belaufen sich auf eine Billion Yen. Ihr Abbau aber kommt voran.

Deutlich weiter ist in dieser Hinsicht Nissan, der dritte im magischen Trio der Rekordgewinnler. Das Unternehmen, das mit dem französischen Renault-Konzern verbandelt ist, hat nach eigenen Angaben seine Schulden vollauf abgetragen. Der Konzern, mit dem es vor dem Amtsantritt des ebenfalls aus Europa entsandten Sanierers Carlos Ghosn kontinuierlich bergab ging, kam nach vorläufigen Zahlen auf ein operatives Jahresergebnis von 737 Milliarden Yen, satte 50 Prozent mehr als im Jahr davor.

"Unter den Schrittmachern"

Die operative Gewinnmarge sei auf 10,8 Prozent geklettert, so Ghosn, und liege damit wieder auf absolutem Top-Niveau in der globalen Autoindustrie. Der Nettoertrag dürfte 495 Milliarden Yen betragen, ein Anstieg von 33 Prozent zum Vorjahr. Manch Konkurrent soll mehr als verblüfft gewesen sein, wie schnell der libanesisch-brasilianisch-französische Troubleshooter den Konzern wieder auf Kurs und zu neuen Höhen geführt hat.

"Nissans Revival ist eine Realität", jubilierte Ghosn daher Mitte der Woche. "Heute sind wir nicht nur zurück im globalen Rennen, wir sind unter den Schrittmachern". Und seine Worte gelten nicht nur für Nissan, sondern genauso gut für die gesamte japanische Autoindustrie.