Job-Angst bei Bosch: Vorteil Tschechien - DER SPIEGEL
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Job-Angst bei Bosch Vorteil Tschechien

Jobs bei Bosch waren stets begehrt, sicher und angesehen - nun aber sind im Werk Feuerbach 2700 Stellen bedroht. Der Schlüsselkunde VW hat Aufträge storniert, neue sind nicht in Sicht. Im Bosch-Werk in Tschechien wird obendrein viel billiger gearbeitet. Sind Massenentlassungen unvermeidlich?
Von Christian Buchholz
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg/Stuttgart - "Bis 2009 sind am Standort Stuttgart-Feuerbach 1400 Arbeitsplätze gefährdet. Wir bemühen uns aber, beispielsweise durch die Fertigung neuer Dieselpumpen, einen Teil davon auch langfristig zu erhalten", erklärt ein Bosch-Sprecher. Bis 2011 sollen sogar insgesamt 2700 Arbeitsplätze in Feuerbach wegfallen, berichtet der Betriebsrat. "Noch ist offen, ob es dabei zu Massenentlassungen kommt oder ob der Personalabbau über Abfindungsregelungen organisiert wird", sagte Werner Neuffer, Betriebsratschef in Feuerbach. Von Konzernseite heißt es zu dem Thema lediglich, dass der Stellenabbau "weitgehend sozialverträglich" gestaltet werden soll.

In dem Werk, das derzeit noch 12.000 der insgesamt 110.000 Bosch-Beschäftigten zählt, wird die Produktion von Einspritzmodulen für Dieselmotoren nach dem Pumpe-Düse-Prinzip eingestellt. Diese vom damaligen Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch forcierte Technik sorgte ab 1998 in den TDI-Motoren von Volkswagen   für Furore, weil sie niedrige Verbrauchs- und günstige Abgaswerte errreichten.

Keine Chance für Diesel-Kat made in Germany

Heute hat die konkurrierende Common-Rail-Technik in beiden Bereichen aufgeholt und ist zudem günstiger zu produzieren. Spätestens 2012 wird Volkswagen keine Pumpe-Düse-Aggregate mehr einsetzen.

Und neben Volkswagen gibt es unter den Pkw-Herstellern weltweit keine Marke, die das Pumpe-Düse-Prinzip nutzt. Die noch vor acht Jahren von Fachmagazinen hoch gelobte Technik hat keine Zukunft mehr. Ebenfalls am Standort Feuerbach beendet Bosch die Produktion einer Verteilereinspritzpumpe, deren Lebenszyklus endet. Als Folge wird die Belegschaftsstärke in Feuerbach schrumpfen. "Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat zum Thema Personalabbau laufen, dabei geht es auch um Ersatzbeschäftigungen", erklärte der Konzernsprecher.

Der Betriebsrat hatte anfangs gefordert, zur Auslastung der Kapazitäten in dem Werk die Produktion moderner Diesel-Rußpartikelfilter (Diesel-Kat) nach Feuerbach zu holen.

In einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung" erteilte Bosch-Chef Franz Fehrenbach der Idee aber eine deutliche Absage: "Die Pilotfertigung wird in Japan starten. Wenn 2009 die Massenfertigung anläuft, müssen wir an einen Niedriglohnstandort gehen, der in Osteuropa liegen wird, sonst ist dieses Produkt nicht wirtschaftlich zu vermarkten", so Fehrenbach. Für das Projekt wurde ein Jointventure mit Zulieferspezialist Denso eingegangen, der sein Know-how über Keramiktechniken bei der Abgasfilterung einbringt.

Vorteil Tschechien

Fehrenbach hatte in dem Interview auch erklärt, die Autokonzerne hätten ihr Kostensparziel von zwei bis drei Prozent in den vergangenen Jahren auf drei bis vier Prozent erhöht. Um mehr als 40 Prozent gestiegene Rohstoffkosten insbesondere bei Aluminium und Kupfer belasteten das Geschäft zusätzlich.

"Zurzeit zeichnet sich leider kein Produkt ab, durch das in Feuerbach neue, dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen werden könnten", erklärte der Betriebsratschef Neuffer. Stattdessen diskutierten die Arbeitnehmervertreter mit dem Management derzeit über 500 Arbeitsplätze, die zwischen 2009 und 2011 im Bereich der auslaufenden Pumpe-Düse-Fertigung notwendig werden könnten.

Der Personalbedarf hängt nach Neuffers Worten aus Sicht der Konzernleitung davon ab, wie sehr sich die möglichen neuen Jobs den Arbeitsbedingungen im tschechischen Werk Jihlava annähern: Dort sind die Löhne und Gehälter für die 6200 Beschäftigten niedriger, zudem läuft die Produktion an sieben Tagen in der Woche. Schließlich werden im Nachbarland bereits seit einigen Jahren exakt die gleichen Teile produziert wie in Feuerbach - ein kurzfristiges Umlenken der Produktionsströme ist damit einfach.

Die sogenannte "Betriebsmittelnutzungszeit" von sieben Wochentagen auf Deutschland zu übertragen, nennt Betriebsrat Neuffer "überzogen". Dass aus Arbeitgebersicht verbesserte Arbeitszeiten für die 500 möglichen neuen Stellen eingeführt werden, hält er allerdings für "unvermeidbar".

Derzeit liefen an allen Standorten des Konzerns bereits Kostensenkungsprogramme, teilweise habe es auch bereits Ausweitungen auf 40 Wochenstunden gegeben. Allerdings sei die längere Arbeitszeit bisher immer inklusive Lohnausgleich eingeführt worden. Ob dies auch künftig so bleibe, ist laut Neuffer aber "nicht sicher".

Durch die neuen Konditionen für die möglichen 500 neuen Stellen will die Konzernleitung laut Neuffer 60 Millionen Euro einsparen - oder die Produktion nach Tschechien geben. Da Bosch seinen Investionsplan bis Januar abschließen will, läuft die Frist "für einen Kompromiss, den wir suchen" (Neuffer) in sechs Wochen aus.

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