Jobmarkt 1,5 Millionen Jugendliche ohne Berufsabschluss
Berlin - Wer eine Lehrstelle sucht, hat es in Deutschland schwer: Laut einem Gutachten für die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung haben 1,5 Millionen junge Erwachsene von 20 bis 29 Jahren keinen Berufsabschluss. Das entspricht einem Anteil von 15 Prozent an dieser Altersgruppe.
Der Anteil der Ausbildungslosen stagniere seit Jahren auf diesem hohen Niveau, heißt es in der Studie mit dem Titel "Jugendliche ohne Berufsabschluss". Damit gelinge es etwa jedem siebten Jugendlichen nicht, "die formellen Voraussetzungen" für einen qualifizierten Arbeitsplatz zu erwerben.
32 Prozent dieser Ungelernten haben keinen Hauptschulabschluss, nahezu 40 Prozent ausländische Wurzeln, listen die Wissenschaftler vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in ihrem Gutachten auf. Unter den 1,5 Millionen Ungelernten befinden sich allerdings nicht nur schlechte Schüler. 38 Prozent haben in ihrem Abschlusszeugnis einen besseren Notendurchschnitt als 3,0.
Eine wesentliche Ursache für die hohe Zahl der Ungelernten sehen die Wissenschaftler in dem seit Jahren zu knappen Lehrstellenangebot. Der tatsächliche Bedarf an Ausbildungsplätzen werde viel zu niedrig eingeschätzt. Schulabgänger, die keinen Platz finden und dann bereits im Frühjahr oder im Sommer in verschiedene Übergangsmaßnahmen oder sogenannte Warteschleifen abgedrängt würden, tauchten in der dann zum Herbst vorzulegenden politischen Lehrstellenbilanz nicht mehr auf.
Die Autoren empfehlen eine deutliche Reduzierung des kaum noch zu überschauenden Angebots an Übergangsmaßnahmen mit häufig umstrittener Effizienz. 31 Prozent der Hauptschüler mit Abschluss haben auch 15 Monate nach Schulende noch keinen vollwertigen Ausbildungsplatz.
Gleiches gilt für 19 Prozent der Schüler mit Mittlerer Reife. Statt der vielen Übergangsmaßnahmen empfehlen die Wissenschaftler mehr Angebote vollwertiger Berufsausbildungen in Berufsschulen oder Einrichtungen von Trägerorganisationen oder auch Kooperationsausbildungen von Schule und Betrieben wie etwa in Brandenburg.
Nach Angaben von BIBB-Präsident Manfred Kremer investieren Bund, Länder, Bundesagentur für Arbeit und Kommunen rund vier Milliarden Euro pro Jahr in Übergangsmaßnahmen. Ein Teil dieses Geldes könnte viel sinnvoller für berufliche Vollausbildungen eingesetzt werden.
Das Institut befürchtet, dass Wirtschaft und Verwaltungen wegen der Wirtschaftskrise in diesem Herbst 50.000 neue Lehrverträge weniger abschließen können als noch 2008. Ein Bund-Länder -Ausbildungsplatz-Programm, wie es seit Jahren für den Osten angeboten wird, könnte deshalb auch für den Westen sinnvoll werden.