Jobmarkt: "Ostdeutsche arbeiten länger" - DER SPIEGEL
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Jobmarkt "Ostdeutsche arbeiten länger"

Deutschland ist einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes zufolge wettbewerbsfähiger geworden. Die Arbeitskosten sind zwar immer noch hoch, doch sie steigen langsamer als im europäischen Schnitt. Die Unterschiede zwischen Ost und West sind allerdings weiter groß.
Von Moritz Küpper
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - "Deutschland ist ein Hochlohnland, aber wir bremsen auf hohem Niveau", sagt Roland Günther, Referatsleiter beim Statistischen Bundesamt. In Deutschland zahlten die Unternehmen durchschnittlich 33 Euro Nebenkosten auf 100 Euro Lohn, wie die heute in Berlin vorgestellte Arbeitskostenerhebung des Amtes für das Jahr 2004 ergab.

Von dieser Summe entfielen 20 Euro auf Arbeitgeberpflichtbeiträge zur Sozialversicherung, sechs Euro auf die bestriebliche Altersvorsorge, knapp drei Euro auf die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Mutterschutz, rund zwei Euro auf Kosten des Personalabbaus sowie fast drei Euro für weitere Kosten.

Insgesamt legten die Kosten je Arbeitsstunde zwischen 2000 und 2004 in Deutschland um zwei Prozent zu, während die Kosten im EU-Schnitt um 2,8 Prozent anzogen. "Im Vergleich mit dem vorläufigen Ergebnis der anderen EU-Ländern ist dieses Wachstum sehr gering", sagt Johann Hahlen, Präsident des Statistischen Bundesamtes. "Die deutsche Volkswirtschaft konnte ihre Wettbewerbsfähigkeit insbesondere gegenüber den anderen EU-Mitgliedstaaten seit dem Jahr 2000 verbessern." Ein Stunde Arbeit in Deutschland kostet somit durchschnittlich 28,18 Euro.

Innerhalb Deutschlands waren jedoch weiterhin große Unterschiede festzustellen: So betrug der Abstand der neuen Bundesländer einschließlich Berlin im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige 28,2 Prozent. "Der Angleichungsprozess seit der Wiedervereinigung hat sich in den letzten Jahren deutlich verlangsamt", sagt Hahlen. In Thüringen gab es im Jahr 2004 mit 20,41 Euro je Stunde die niedrigsten Arbeitskosten, Hamburg war mit 31,80 Euro pro Stunde in dieser Kategorie deutschlandweit spitze.

Zuwachs der betrieblichen Altersvorsorge

Laut Hahlen gibt es für die Unterschiede zwei Gründe: Zum einen die Firmenstruktur in Ostdeutschland, die eher durch kleinere Betriebe gekennzeichnet ist, während in Westdeutschland große Unternehmen stärker vertreten sind. Zum anderen die längeren Arbeitszeiten in Ostdeutschland. "Die Arbeitszeiten im Osten liegen um 55 Stunden höher als im Westen", sagt Hahlen, "Wenn man so will, arbeiten Ostdeutsche im Jahr eine Woche länger."

Auch in der Struktur der Lohnnebenkosten ließen sich Veränderungen feststellen: So erfuhr die betriebliche Altersvorsorge in den letzten Jahren einen erheblichen Aufwind. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, die einen Trend zur Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgelder sieht, stieg auch der Anteil der Sonderzahlungen weiter an.

Die Arbeitskostenerhebung, die alle vier Jahre vom Statistischen Bundesamt durchgeführt wird, liegt eine Befragung von rund 30.000 Unternehmen in Deutschland zu Grunde. Seit fast 50 Jahren wird diese Erhebung auf Grundlage eines verbindlichen EU-Auftrags durchgeführt.

"Dieses Jahr sind wir mit der Auswertung unserer Ergebnisse besonders schnell", sagt Hahlen, "das birgt allerdings das Problem, dass wir keine exakten Vergleichszahlen zu den anderen europäischen Ländern haben." Die genauen Statistiken der übrigen EU-Länder werden gegen Jahresende erwartet.