Jobmarkt: Weniger Langzeitarbeitslose als befürchtet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Jobmarkt Weniger Langzeitarbeitslose als befürchtet

330.000 neue Langzeitarbeitslose - eigentlich sollte das Anlass zur Sorge sein. Doch im Deutschland der Massenarbeitslosigkeit ist die Zahl eine gute Nachricht: Denn die Bundesagentur für Arbeit hatte mit weit mehr gerechnet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Ursprünglich hätten die Bundesagentur für Arbeit (BA) und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück mit rund 525.000 neuen Langzeitarbeitslosen in diesem Jahr gerechnet, berichtet die "Welt". Tatsächlich seien nur 330.000 Erwerbslose in die Langzeitarbeitslosigkeit abgerutscht. Diese Zahl ergebe sich aus den Gesamtbeträgen, die die Bundesagentur für Arbeit für die neuen Langzeitarbeitslosen an den Bund zahlen müsse: Die Behörde ist verpflichtet, für jeden Arbeitslosengeld-I-Empfänger, den sie innerhalb eines Jahres nicht vermitteln konnte und der dann Hartz-IV-Empfänger wird, 10.000 Euro zu überweisen. Bisher habe die BA in diesem Jahr 3,3 Milliarden Euro gezahlt.

2005 musste die Nürnberger Behörde noch für mehr als 450.000 Arbeitslose die Strafabgabe zahlen. 2004, im letzten Jahr vor der Hartz-IV-Reform, wechselten sogar mehr als 800.000 Arbeitslose in die steuerfinanzierte Arbeitslosenhilfe. Arbeitsmarkt-Experten führen die günstige Entwicklung in diesem Jahr auf die gute Konjunktur, aber auch auf die Reformen am Arbeitsmarkt zurück.

Dass die Situation am Jobmarkt 2006 weit besser ist als erwartet, lässt sich auch an der Entwicklung der monatlichen Arbeitslosenzahlen ablesen. Im Oktober war die Arbeitslosenquote mit 4,085 Millionen Erwerbslosen sogar erstmals seit Jahren unter die Zehn-Prozent-Marke gerutscht. Außerdem wurde Experten zufolge dieses Jahr auch der Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gestoppt. Langzeitarbeitslose profitieren von dem Aufschwung am Jobmarkt allerdings kaum.

ase/ddp