John Rigas Der Lokalmatador
Er braucht in Coudersport oft mehr als eine Stunde für einen Häuserblock, von so vielen Leuten wird er gegrüßt und für ein kurzes Gespräch angehalten. Der 77-jährige John Rigas gilt in dem 4000-Einwohner-Ort als Held, Vaterfigur und Inkarnation des amerikanischen Traumes.
Seine Erfolgsgeschichte könnte schöner nicht sein. In fast 50 Jahren arbeitete sich der Sohn griechischer Einwanderer hoch vom Anteilseigner eines kleinen lokalen Fernsehsenders zum sechstgrößten Kabelnetzbetreiber der USA. Seine Firma Adelphia Communications hat knapp sechs Millionen Abonnenten, die für einen ständigen warmen Geldsegen und rund 2000 Arbeitsplätze allein in Coudersport sorgen. Und Rigas ist nicht geizig. Er finanziert das Buffalo Sabres Hockey Team, bezahlt Bedürftigen schon einmal kostspielige medizinische Eingriffe und sorgt dafür, dass Eintrittskarten im örtlichen Kino nur vier Dollar kosten.
Kein Wunder, dass die Bewohner von Coudersport die herannahende Katastrophe zunächst nicht wahrhaben wollten. "Die Haie sammeln sich", sagte Reverend Nicholas Rafael, in dessen Gemeinde Rigas ist, noch im Mai. Aber da waren schon eine ganze Menge sehr unrühmlicher Details über Adelphia und den Rigas-Clan bekannt geworden. Die Gründerfamilie hat das Unternehmen ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Sie genehmigten sich Kreditbürgschaften über 3,1 Milliarden Dollar und ließen die Firma für ihr Privatvergnügen bluten. So steckte Adelphia - ohne dass der Aufsichtsrat davon wusste - rund zwölf Millionen Dollar in einen 18-Loch-Golfplatz . Natürlich kaufte die Firma das nötige Land dafür von der Rigas-Familie. Wofür der Platz eigentlich gut sein soll, weiß niemand so genau. Coudersport hat bereits einen Golfplatz.
Rigas und seine Familie haben Adelphia gründlich ruiniert. Seit Mai 1999 fiel der Aktienkurs von 86,80 Dollar auf 70 US-Cent, mittlerweile ist der Handel mit dem Papier an der Nasdaq beendet worden. Nach Ansicht von Analysten wird es nicht mehr lange dauern, bis die Firma Bankrott geht. Denn neben der unglaublichen Selbstbereicherung der Gründerfamilie musste das Management zugeben, dass auf der Einnahmenseite gehörig manipuliert wurde. Nach den Erkenntnissen einer firmeninternen Prüfungskommission wurde die Zahl der Abonnenten um knapp eine halbe Million übertrieben.
John Rigas ist mittlerweile gemeinsam mit seinen Söhnen Michael, James und Timothy aus dem Adelphia-Vorstand ausgeschieden. Als Abfindung bekommt er 1,4 Millionen Dollar pro Jahr.