Kämpfe in Nahost: Volkswirte dämpfen Angst vor Ölpreisschock - DER SPIEGEL
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Kämpfe in Nahost Volkswirte dämpfen Angst vor Ölpreisschock

Die Experten führender Großbanken sehen einem Zeitungsbericht zufolge die Konsequenzen des bisherigen Ölpreisanstiegs durch die Nahost-Krise gelassen. Sollte jedoch auch Iran an dem Konflikt teilnehmen, würde der Ölpreis dramatisch steigen.
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Hamburg - "Wenn der Ölpreis für längere Zeit auf 85 Dollar steigt, würde das ein oder zwei Zehntel Prozentpunkte globales Wirtschaftswachstum kosten", sagte der Chefvolkswirt der Allianz-Gruppe, Michael Heise, der "Financial Times Deutschland". Ähnlich äußerten sich Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, und Eric Chaney, Europa-Chefvolkswirt von Morgan Stanley.

Ein ernstes Risiko sei allerdings, dass Iran in den Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz hineingezogen werde und echte Lieferengpässe den Ölpreis für längere Zeit über die Marke von 100 Dollar pro Fass treibe, sagte Chaney. Aus Sicht des Deutsche-Bank-Experten Norbert Walter könnte dies zu einem weltweiten Abschwung führen. Chaney sagte, selbst dann sei aber eine tiefe Rezession wie 1973 unwahrscheinlich.

Der Ölpreis hat sich nach dem deutlichen gestrigen Kursrutsch wieder über der Marke von 75 US-Dollar eingependelt. Im asiatischen Handel kostete ein Barrel der US-Sorte WTI 75,59 Dollar und damit 29 Cent mehr als zum Handelsschluss am Montag. Gerüchte, dass die Offensive der Israelis in einigen Tagen vorbei sein könnte, hatten gestern Nachmittag den Preisrückgang ausgelöst und die Notierung deutlich unter den am Freitag erreichten Rekordstand von 78,40 Dollar gedrückt.

Händler führten den wieder etwas anziehenden Ölpreis auf weitere Angriffe der israelischen Armee auf den Libanon zurück. Die israelische Armee hat in der Nacht erneut rund 50 Ziele im Libanon angegriffen.

Ölpreis von 80 Dollar zu verkraften

"Der Ölpreis hat für die Weltwirtschaft heute nicht mehr ganz die Bedeutung wie in den siebziger Jahren", sagte Volkswirt Heise. Die globale Konjunktur habe auch den Anstieg des Ölpreises von knapp 30 Dollar auf rund 70 Dollar seit 2004 gut weggesteckt, sagte Ulrich Kater, Chefvolkswirt von der Deka-Bank. Dies lasse hoffen, dass auch die Verteuerung auf 80 Dollar zu verkraften sei. "Prozentual gesehen ist der jüngste Anstieg nicht mehr sehr groß", sagte Commerzbank-Chefökonom Krämer.

Auch die Investitionstätigkeit im Rest der Welt dürfte nach Aussage der Experten durch den Konflikt kaum beeinflusst werden, solange der Ölpreisanstieg begrenzt bleibe. "So tragisch die Lage in Nahost aus humanitärer Sicht ist - ein solcher Konflikt reicht nicht, um dem globalen Konjunkturzyklus eine neue Richtung zu geben", sagte Krämer.

tim/dpa/dpa-AFX