Kalter Krieg: US-Gericht will Jukos-Ausverkauf stoppen - DER SPIEGEL
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Kalter Krieg US-Gericht will Jukos-Ausverkauf stoppen

Der Streit um den russischen Ölriesen Jukos wird immer mehr zum Ost-West-Konflikt: Ein Gericht in Texas hat eine Verfügung erlassen, um die Zerschlagung des Unternehmens zu stoppen. Am Sonntag wollen russische Autoritäten den Kern von Jukos an einen Putin-treuen Konzern versteigern - angeblich mit Hilfe der Deutschen Bank.
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Houston - Die am Donnerstag erlassene einstweilige Verfügung soll die Zwangsversteigerung der Tochterfirma Jukos-Tochter Juganskneftegas stoppen. Die Entscheidung der Richterin in Houston im US-Staat Texas sei für die russische Regierung zwar nicht bindend, sagte ein Sprecher der amerikanischen Anwaltskanzlei Fulbright and Jaworski, die Jukos vertritt. Es könnte aber den wichtigsten Bieter behindern, den staatlich kontrollierten Konzern Gazprom.

Gazprom wollte das Gebot mit Hilfe eines internationalen Bankenkonsortiums finanzieren, zu dem auch die Deutsche Bank   gehören soll. Dieses Konsortium ist nach Angaben der Anwaltskanzlei Fulbright and Jaworski durch die Entscheidung des US-Gerichts gebunden. "Wenn die Banken sich an die Entscheidung halten, gäbe es keine Finanzierung", sagte der Sprecher der Kanzlei, Mike Lake.

Gazprom: Gericht nicht zuständig

Jukos hat nun zehn Arbeitstage Zeit, eine dauerhafte Verfügung gegen die Zwangsversteigerung zu erwirken. In einem verzweifelten Versuch, seine Zerschlagung zu verhindern, hatte der Konzern in den USA Insolvenz angemeldet und sich unter das Konkursrecht nach Chapter 11 geflüchtet.

Der wahrscheinliche Käufer Gazprom äußerte Zweifel an der rechtmäßigen Zuständigkeit des Konkursgerichts in Houston. Ein Anwalt des Gaskonzerns kündigte bei der Anhörung in Houston an, Gazprom werde das Gericht auffordern, das Verfahren mangels Jurisdiktion einzustellen. Der Fall solle vielmehr weiter vor russischen Gerichten verhandelt werden. Nach Meldungen der Agentur Itar-Tass vom Morgen will Gazprom sich nicht aus der Auktion zurückziehen.

Russland fordert rund 27 Milliarden Dollar Steuern von Jukos. Die Autoritäten werfen dem Konzern zudem vor, seine Anlagen und Ölfelder bei den überstürzten Privatisierungen der neunziger Jahre zu billig erworben zu haben. Jukos-Chef Chodorkowski war, nachdem zuvor Wladimir Gusinski und Boris Beresowski aus Furcht vor Repressalien und Inhaftierung ins Exil geflohen waren, einer der letzten im Land verbliebenen "Oligarchen", die in der Jelzin-Zeit die russische Wirtschaft dominierten.