STROMBÖRSEN Kampf der Systeme
Der bevorstehende Konkurrenzkampf der Strombörsen in Leipzig und Frankfurt wird nach Ansicht von Branchenkennern vor allem über die Handelssysteme entschieden. Die Leipziger Power Exchange verwendet das System der Osloer Strombörse Nord Pool. Dabei handeln die Anbieter für jede Stunde des Tages einen Strompreis aus - was vor allem den Bedürfnissen der norwegischen Wasserkraftwerke entspricht. Muss beispielsweise ein Kraftwerk wegen einer populären Fernsehübertragung für zwei Stunden mehr Strom liefern, als es mit einer Turbine produziert, kann es kurzfristig eine zweite zuschalten - oder, falls das billiger ist, die benötigte Menge für diese Zeit über die Börse zukaufen. In Deutschland dagegen ist der Strommarkt von Kohle- und Atomkraftwerken dominiert. Sie sind ständig am Netz, nur bei Bedarf werden Spitzenlast-Kraftwerke zugeschaltet. Deshalb will die Frankfurter European Energy Exchange, die im August den Handel aufnimmt, den Strom nicht stundenweise, sondern in Halbtagesblöcken handeln. Um zu sehen, welches System besser ist, werden die großen Energieversorger zunächst an beiden Börsen teilnehmen. Kleinere Stromversorger dagegen wollen erst einmal abwarten, welche Börse sich durchsetzt, denn sie scheuen die hohen Kosten für die Schulung ihrer Mitarbeiter auf die entsprechenden Systemen. Langfristig wird sich nach Meinung der Energiemanager nur eine Strombörse in Deutschland behaupten können.