Kampf gegen Arbeitslosigkeit Brown kündigt neues Staatsprogramm an
London - Der britische Premierminister gibt sich kämpferisch: Umgerechnet rund 560 Millionen Euro will er investieren, um den angeschlagenen britischen Arbeitsmarkt vor der Krise zu schützen. "Wir prüfen alle möglichen Optionen", sagte Gordon Brown. Es gehe um Impulse für Neueinstellungen, Ausbildungsplätze und Unternehmensgründungen.
Krisenmanager Brown: Neue Millionen für den Arbeitsmarkt
Foto: Getty ImagesBrowns Stern war in letzter Zeit gehörig am Sinken. War der Premier zu Beginn der Wirtschaftskrise noch der gefeierte Krisenmanager, überschatteten in den vergangenen Wochen immer mehr Hiobsbotschaften sein Wirken. Die Rezepte, die Brown seinem Land verordnet hatte, wirken nicht, seine Steuersenkung verpuffte. Nun, so scheint es, nimmt der Premier einen neuen Anlauf, die Krise zu bekämpfen.
Laut Presseberichten sollen staatliche Zuschüsse dafür sorgen, dass verstärkt Arbeitslose eingestellt werden, die mindestens sechs Monate ohne Job waren. Arbeitgeber sollen pro Einstellung eine Sonderzahlung von 2500 Pfund erhalten, wie der "Guardian" berichtet.
Die britische Arbeitslosenzahl ist in der Rezession sprunghaft angestiegen. Von August bis Oktober 2008 waren 1,86 Millionen Briten ohne Arbeit - das entspricht einer Quote von sechs Prozent. Derart hoch war sie seit Mitte 1999 nicht mehr.
Manche Experten befürchten, dass die Arbeitslosenzahl in der Krise noch auf drei Millionen schnellen könnte. Zuletzt hatten sich die schlechten Nachrichten über Stellenstreichungen gehäuft: Allein bei der Einzelhandelskette Marks & Spencer und dem Autobauer Nissan sollen in Großbritannien zusammen 2430 Arbeitsplätze wegfallen. Brown versicherte, er ziehe mit dem Arbeitsmarktprogramm die Lehre aus früheren Rezessionen: "Jetzt sagen wir: Wir geben niemanden auf. Aber es darf sich auch niemand selbst aufgeben." Es sei wichtig, dass Arbeitslose sich wieder um eine Stelle bemühten.
Brown will verhindern, dass sich Kurzzeit- zu Langzeitarbeitslosigkeit entwickelt. In einer vorab bekanntgewordenen Botschaft an die Vertreter auf einem Industriegipfel hieß es: "Wir legen heute eine neue Garantie für intensive Unterstützung für all jene fest, die nach sechs Monaten noch immer arbeitslos sind."
Der an dem Jobgipfel teilnehmende Industrieverband (CBI) dringt zudem auf Schritte, um die Kreditklemme in Großbritannien zu lösen. In der Finanzkrise sind die Banken bei der Vergabe von Darlehen an Firmen und Verbraucher immer zurückhaltender geworden, womit die Rezession in Großbritannien zusehends an Schärfe gewinnt. Der sich immer stärker verdunkelnde Konjunkturhorizont trübt auch die Chancen Browns, die bis Mitte 2010 fälligen Unterhauswahlen zu gewinnen. Derzeit liegt seine Labour-Partei in Umfragen klar hinter den oppositionellen Konservativen unter David Cameron.