Kampf gegen Inflation EZB hebt Leitzins an
Frankfurt am Main - Dass der Leitzins erhöht wird, war erwartet worden - nur über die Höhe rätselten die Experten noch. Bis zum Schluss hatte es Händler und Analysten gegeben, die einen größeren Schritt für möglich hielten - doch denen machte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) einen Strich durch die Rechnung: Der Leitzins werde von derzeit 4 auf 4,25 Prozent erhöht, teilte Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt am Main mit.
EZB-Chef Trichet: Leitzins steigt wie erwartet auf 4,25 Prozent
Foto: APMarktbeobachter hatten mit dieser Entscheidung gerechnet - zumal EZB-Chef Trichet bereits im Juni angedeutet hatte, dass der Schlüsselzins für die Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld von 4,0 auf 4,25 Prozent angehoben werden könnte. Vor allem wegen der zuletzt auf vier Prozent gekletterten Inflation im Euro-Raum. Es ist zwar die erste Erhöhung des Leitzinses seit Juni 2007 - der deutsche Börsenleitindex Dax und der Euro zeigten sich nach der Zinserhöhung jedoch kaum bewegt.
"Die heutige Zinserhöhung der EZB unterstreicht die Bemühungen der Bank, die Inflation wieder nach unten zu bringen", sagte Jennifer McKeown von Capital Economics. Das schwächere Wirtschaftswachstum und eine schlechtere Arbeitsmarktentwicklung würden den Inflationsdruck wahrscheinlich drücken. "Deshalb dürfte dem heutigen Schritt kein weiterer folgen."
"Dämpfer für die Wirtschaft muss man akzeptieren"
Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, erklärte im Hessischen Rundfunk, durch höhere Zinsen werde das Sparen attraktiver. "Auf diese Weise haben wir eine Perspektive, dass die Inflationsrate, die wir ja unter zwei Prozent halten wollen, nicht auf diesem hohen Niveau bleiben wird." Einen möglichen Dämpfer für die Wirtschaft müsse man dabei akzeptieren.
Genau deshalb war die Ankündigung der Zinsanhebung bei Politikern und Gewerkschaftern auf heftige Kritik gestoßen. Sie befürchten, dass eine Zinserhöhung die ohnehin schwächelnde Konjunktur abwürgen könnte. Der Leitzins ist der Zins, zu dem sich die Banken in der Euro-Zone bei der Notenbank Geld leihen können - deshalb werden bei einer Anhebung Kredite teurer. Kritiker warnten allerdings davor, die steigenden Zinsen könnten Hunderttausende Arbeitsplätze gefährden. Auch einige Ökonomen hatten ablehnend auf die Zinsentscheidung reagiert.
Allerdings steckt die EZB in einem Dilemma - auch die meisten Experten sahen kaum eine Chance für die Bank, auf eine straffere Geldpolitik zu verzichten, wenn sie glaubwürdig bleiben will. Denn die Aufgabe der Währungshüter ist der Kampf gegen die Inflation, die laut Statut eigentlich nur bei knapp unter zwei Prozent liegen sollte.
Die große Frage für die meisten Beobachter bleibt, wie die Frankfurter Währungshüter in den kommenden Monaten agieren werden. Sie werden deshalb einmal mehr an den Lippen von EZB-Chef Trichet hängen, der den Beschluss wie gewohnt um 14.30 Uhr bei einer Pressekonferenz erläutern wird. Er und zahlreiche andere Notenbanker hatten zuletzt immer wieder betont, dass keine Serie von Zinserhöhungen geplant sei. An den Finanzmärkten wird jedoch mit weiteren Schritten in diesem Jahr gerechnet, sollte sich die Konjunktur nicht noch stärker abkühlen.
sam/Reuters/AP/dpa