Kampf gegen Spekulation: BaFin verlängert Verbot von Leerverkäufen - DER SPIEGEL
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Kampf gegen Spekulation BaFin verlängert Verbot von Leerverkäufen

Spekulanten werden weiter an der kurzen Leine gehalten: Die Finanzaufsicht BaFin hat das Verbot von Leerverkäufen um drei Monate verlängert. Die hochspekulativer Geschäfte mit Finanzaktien könnten an der Börse extreme Preisschwankungen verursachen.
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Frankfurt am Main - Leerverkäufe bleiben vorerst verboten. Die Kursschwankungen bei Finanzwerten seien weiter außergewöhnlich hoch, begründete die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ihren in dieser Woche veröffentlichten Beschluss. Leerverkäufe von Bankaktien hätten in diesem Umfeld weitere "exzessive Preisbewegungen" zur Folge, die die Stabilität des Finanzsystems gefährden könnten.

Das Verbot bleibe jetzt bis Ende März bestehen. Ursprünglich sollten ab Ende 2008 wieder Aktien leer verkauft werden dürfen.

Leerverkäufe sind Geschäfte, bei denen ein Investor auf einen sinkenden Kurs setzt und sich dafür gegen eine Gebühr eine Aktie ausleiht und verkauft. Fällt die Aktie wie erwartet, kann er sie später zu einem günstigeren Kurs einkaufen und zurückgeben. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis ist sein Gewinn. Diese Geschäfte können den Abwärtstrend einer Aktie drastisch beschleunigen. Shortseller werden deshalb für die Zuspitzung der Finanzkrise mitverantwortlich gemacht.

Das BaFin-Verbot bezieht sich auf den Handel mit elf deutschen Finanzwerten, wie die Deutsche Bank  , Commerzbank   und die Allianz  . Die BaFin hatte Mitte September nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers das Verbot erlassen. Zuvor hatten bereits die USA und Großbritannien ähnlich gehandelt. Grund waren die drastischen Kursstürze einzelner Bankaktien - ausgelöst durch spekulative Anleger.

Erst in der jüngsten Vergangenheit hatten Leerverkäufe an der Börse zu spektakulären Kurssprüngen geführt. Ende Oktober hatte Porsche   mitgeteilt, mehr als 70 Prozent der Stammaktien von Volkswagen   direkt zu besitzen oder über Optionen zu kontrollieren. 20 Prozent der Aktien hält das Land Niedersachsen. VW-Aktien sind von einem Leerverkaufsverbot nicht betroffen.

Nach der Porsche-Mitteilung gerieten Leerverkäufer unter Druck. Am Markt standen kaum noch VW-Aktien zur Verfügung. Leerverkäufer, die geliehene Aktien in Kürze zurück geben mussten, gerieten in der Folge unter Druck. Sie mussten kaufen, um nicht vertragsbrüchig zu werden. Ein Run auf die verbleibenden Papiere entstand, Händler zahlten zum Teil absurde Preise.

Foto: SPIEGEL ONLINE

Die Volkswagen-Stammaktien schossen in die Höhe. Sie kosteten zeitweise mehr als tausend Euro (Details siehe Grafik). Für einen kurzen Moment war VW von seinem Börsenwert das teuerste Unternehmen der Welt. Und der Dax stieg um sagenhafte elf Prozent, obwohl fast sämtliche anderen Indexwerte im Minus standen.

Durch das Preishoch stieg die Gewichtung der VW-Papiere für einen Tag auf knapp 30 Prozent an - der Dax   bestand damit fast zu einem Drittel aus dem VW-Wert. Um solche absurden Kapriolen in Zukunft zu vermeiden, definierte die Deutsche Börse neue Regeln für die vier großen Indizes.

ssu/Reuters