Kampf um Yahoo "Widerstand ist zwecklos"
Hamburg - Die Bühne ist bereitet, das Who-is-Who der Medienwelt hat sich versammelt: Yahoo, Microsoft, Google, News Corporation, AOL. Sie alle bereiten sich auf die entscheidende Schlacht im Kampf um die Vorherrschaft im World Wide Web vor. Einen Überraschungscoup lieferte dabei der Softwareriese Microsoft, der scheinbar mit dem Medienmogul Rupert Murdoch über ein gemeinsames Angebot für Yahoo verhandelt.
Yahoo-Werbung: Yahoo schmiedet Abwehrpakt mit AOL und Google
Foto: APDiese Allianz könnte der Schlacht um den Internetdienst die entscheidende Wendung geben: Denn gemeinsam verfügen die beiden Mediengiganten über eine so gewaltige Finanzkraft, dass ein deutlich höheres Angebot möglich wäre. Das letzte und bisher einzige in Höhe von rund 45 Milliarden Euro hatte Yahoo als zu niedrig abgelehnt.
Doch auch wenn die Kriegskasse von Microsoft bei weitem nicht mehr so gut gefüllt ist wie noch vor fünf, sechs Jahren, ist dies wohl nicht der entscheidende Grund für die Verhandlungen mit Murdoch. Die Möglichkeiten einer Finanzierung, auch der Austausch mit Aktien, seien bei Microsoft noch lange nicht ausgeschöpft, sagt Karl Böhm, Medienexperte von der Unternehmensberatung Deloitte. "Die Gespräche mit News Corp. sind ein verhandlungstaktischer Schritt."
Gewollt ist etwas ganz anderes: Eine Allianz mit Murdochs Medienkonglomerat baue eine Drohkulisse auf, die der Übernahmekandidat kaum noch ignorieren könne, sagt Böhm. Zugleich offeriere Microsoft den Yahoo-Aktionären ein überaus interessantes Paket, "die Vision einer zukunftsweisenden Perspektive". Der Software-Konzern verfüge zwar über reichlich technisches Know-How, jedoch über keinerlei Programmkompetenz. Hier käme News Corp. ins Spiel, das zudem den Online-Treffpunkt MySpace in die Allianz einbringe. Zusammen mit dem Reichweitenriesen Yahoo würde ein nahezu unschlagbares Dreiergespann geschaffen - und damit ein Gegengewicht zum Trendsetter Google.
Doch noch sträubt sich die Braut. Und zwar vehement. Yahoo spricht mit diesem, verhandelt mit jenem - umstritten ist, ob die Internet-Ikone allein den Preis in die Höhe treiben will, oder tatsächlich darauf hofft, Microsoft abwehren zu können. "Schlussendlich geht es um den Preis", vermutet Frank Mackenroth, Medienspezialist bei PricewaterhouseCoopers (PwC).
Yahoo und AOL
Erst am Montag erklärte Yahoo, eine Übernahme nicht kategorisch abzulehnen, es sei alles eine Frage des Preises. Hinter den Kulissen arbeitet Yahoo-Chef Jerry Yang dennoch eifrig daran, es Microsoft so schwer wie möglich zu machen. US-Medienberichten zufolge steht der Konzern kurz vor einer Vereinbarung für eine Fusion mit dem Online-Portal AOL des Medienkonzerns Time Warner.
Experten stehen dem jedoch skeptisch gegenüber: "Ich sehe bei Time Warner nicht das Vermögen, bei Yahoo zu investieren", sagt Böhm von Deloitte. Auch aus einem anderen Grund dürfte das Unternehmen eher geringes Interesse an Yahoo-Aktien haben: Vor zwei Jahren verkaufte Time Warner einen fünfprozentigen Anteil der Tochter für eine Milliarde Dollar an Google und schloss mit dem Branchenriesen ein Kooperationsabkommen. Brancheninsider schließen nicht aus, dass Google versucht sein könnte, diese Partnerschaft mit einer Vollübernahme zu besiegeln.
Tatsächlich ist es der Suchmaschinen- und Webriese, der im Kampf um die Web-Herrschaft im Grunde die Hauptrolle spielt. Schließlich ist seine Marktdominanz der Grund für Microsofts Übernahmeofferte an Yahoo. Die Internet-Ikone scheint das geeignete Objekt zu sein, um Google gegenüber Boden gut zu machen.
Yahoo und Google
Doch frei nach der Devise "Der Feind meines Feindes ist mein Freund", tüftelt nun Yahoo ausgerechnet mit Google an einer geeigneten Abwehrstrategie. Bereits beschlossen ist, dass Yahoo Anzeigen des Konkurrenten auf seiner Seite präsentieren wird. Die zunächst befristete Aktion gilt als Probelauf für eine mögliche weitergehende Kooperation.
Diese dürfte jedoch kaum in einem Zusammenschluss münden: Yahoo und Google decken zusammen Schätzungen zufolge rund 80 Prozent der Internetsuche ab. Damit wäre ein Veto der Wettbewerbsbehörden bei einer Fusion wohl sicher. Doch allein die Zusammenarbeit sorgte beim Software-Konzern schon für Unruhe: In einer verbalen Breitseite beschimpfte Microsoft Google als Monopolisten, der nur darauf aus sei, seine Macht zu missbrauchen.
Nicht zuletzt deshalb trommelt der Software-Konzern jetzt zum Gegenangriff. "Zusammen mit News Corp ist Microsoft wohl darauf aus, die ersten zarten Pflänzchen einer Zusammenarbeit zwischen Yahoo und Google zu zerstören", sagt Mackenroth von PwC. Das Signal an das Angriffsziel sei eindeutig: "Widerstand ist zwecklos." Allein den Preis gelte es jetzt noch auszuhandeln.