Kampfansage: Sparkassen wollen Global Player werden - DER SPIEGEL
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Kampfansage Sparkassen wollen Global Player werden

Maues Inlandsgeschäft, international zweitklassig, Entlassungswellen, der Ruf durch hochmütige Manager beschädigt - die deutschen Privatbanken durchleben schwere Zeiten. Nun wollen ausgerechnet die Sparkassen, bislang nur regional aktiv, die Arrivierten wie Deutsche Bank, Commerzbank und Co. im internationalen Geschäft abhängen.
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Frankfurt am Main - Bislang stand die gute alte Sparkasse für Kleinkredite, Sparbuch und langen Schlangen vor den Kassen. Diesen Ruf wollen die öffentlich-rechtlichen Banken nun um ein Attribut bereichern: "globaler Champion".

Was zunächst wie ein Witz klingt, ist tatsächlich ernst gemeint. "Der globale Champion der Sparkassen-Finanzgruppe wird aus einer Kooperation verschiedener Spezialisten bestehen, die alle regional durch ihre Sparkassen ein starkes Standbein im Privatkundengeschäft besitzen", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dietrich Hoppenstedt, im "Handelsblatt". "Wenn die deutsche Volkswirtschaft und die Sparkassen-Finanzgruppe einen Champion aus dem deutschen Markt heraus brauchen, dann stellen wir ihn selbst auf die Beine", zitierte die Zeitung Hoppenstedt.

Der Sparkassen-Boss griff mit seinen Äußerungen die Forderung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, der jüngst in Frankfurt auf dem Sparkassentag die deutschen Kreditinstitute ungewohnt deutlich zu einem Zusammenrücken ermahnt hatte. "Wir brauchen ein Institut, das aus Deutschland heraus global tätig werden kann", hatte er gefordert.

Hintergrund des Appells war auch die Diskussion um die Übernahme einer deutschen Großbank durch ausländische Konkurrenten, was von der Politik nur ungern gesehen würde. Zuletzt galt besonders die Deutsche Bank als möglicher Übernahmekandidat, da sie für Interessenten deutlich attraktiver ist als etwa HypoVereinsbank oder Commerzbank. Aber auch die Deutsche Bank kommt bei weitem nicht an die Ertragsstärke ausländischer Größen wie der Citigroup heran.

Wie eine Verschmelzung von Geschäftsbereichen des Sparkassenlagers konkret aussehen könnte, wurde in dem Interview nicht deutlich. Nach Darstellung der Zeitung arbeiten derzeit zwei Arbeitsgruppen unter der Leitung von WestLB-Chef Thomas Fischer sowie von BayernLB-Chef Werner Schmidt an Projekten, die Ertragskraft und Effizienz der Landesbanken zu erhöhen. "Bis Ende des Jahres sollen nach Informationen des 'Handelsblatts' erste Ergebnisse vorgelegt werden", hieß es.

Hoppenstedt begründete die Pläne: "Es ist gut für die deutsche Wirtschaft, wenn ein internationaler Champion im örtlichen Markt verankert ist. Doch welche deutsche private Großbank kann das noch von sich behaupten? Die Deutsche Bank konzentriert sich nicht mehr auf den Heimatmarkt. Und die anderen Privatbanken sind international nicht so stark aufgestellt, dass es zu einem Champion reichen würde. Als weltweit größte Finanzgruppe müssen wir Sparkassen deshalb über eigene Lösungen nachdenken."

Noch teilen sich elf Landesbanken ihr überregionales Geschäft in Deutschland und dem Ausland. Grund für das Projekt sei auch der Wegfall der staatlichen Haftungsgarantien Mitte 2005, die den öffentlich-rechtlichen Instituten bislang eine Sonderstellung eingeräumt hatten.