Kanalerweiterung Panama bohrt das Nadelöhr des Welthandels auf
Paraíso - Die größte Erweiterung des Panamakanals seit seiner Eröffnung vor 93 Jahren hat begonnen. Bauarbeiter sprengten am Montag (Ortszeit) in Paraíso, einem Dorf nördlich von Panama-Stadt, einen Hügel und starteten damit den Ausbau der Wasserstraße, der ab 2014 mit einer neuen dritten Fahrrinne auch Durchfahrten von besonders großen Containerschiffen erlauben soll. Künftig sollen Schiffe, die bis zu 12.000 Container laden können, durch den Kanal fahren können. Derzeit liegt die Grenze bei 5000 geladenen Containern.
Das 5,25 Milliarden Dollar teure Projekt war im vergangenen Oktober in einer Volksabstimmung abgesegnet worden. Nach Angaben der panamaischen Regierung soll es durch eine Erhöhung der Durchfahrtgebühren finanziert werden. Die Führung des Landes geht davon aus, dass mit dem Projekt 7000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, indirekt sogar 35.000.
An einem Festakt zum Beginn der Arbeiten nahm gestern auch der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter teil. Er verteidigte seine Entscheidung, den bis vor acht Jahren zu den USA gehörenden Kanal an Panama zu übergeben. 1977, auf den Tag genau vor 30 Jahren, hatten Carter und der damalige Führer der Militärjunta in Panama, General Omar Torrijos - Vater des heutigen Präsidenten Martin Torrijos -, einen Vertrag unterzeichnet, wonach der Kanal 1999 übergeben werden solle. Tausende Bürger des mittelamerikanischen Landes beobachteten den Auftakt der Arbeiten vor Ort. Die Regierung hatte den Tag zum arbeits- und schulfreien Feiertag erklärt.
25.000 Tote bis zur Einweihung des Kanals
In der ersten Bauphase sollen 47 Millionen Kubikmeter Erde und Gestein entfernt werden, um den Kanal zu vergrößern. Die Ausschreibung für den mehr als drei Milliarden Dollar teuren Bau neuer Schleusen soll noch in diesem Jahr beginnen.
Bei der Vorbereitung der Zeremonie war am Sonntag ein Arbeiter getötet worden, weil sein Lastwagen gegen einen Hochspannungsmast fuhr. Bis zur Einweihung des Kanals im Jahr 1914 waren 25.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Bau ums Leben gekommen. Viele starben bei Sprengungen oder an Krankheiten. Der Kanal gilt als eine der großen Ingenieur-Meisterleistungen der Menschheitsgeschichte.
Durch den Kanal transportieren jedes Jahr rund 14.000 Schiffe insgesamt fünf Prozent der Waren, die weltweit gehandelt werden. Panama, das drei Millionen Einwohner hat, erwirtschaftet 80 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts mit der Wasserstraße. Die meisten Schiffe, die zwischen der Ostküste der USA und China fahren, passieren den Panamakanal. Die Alternative wäre ein gigantischer Umweg: die gefährliche Route um Kap Hoorn an der Südspitze des amerikanischen Kontinents.
kaz/Reuters/AFP