Kandidatenduell, Teil 4 Händchenhalten im Teuro-Kampf
Berlin/Frankfurt am Main - In einigen Dienstleistungsbereichen habe es Missbrauch nach der Euro-Umstellung gegeben, gab Bundeskanzler Schröder im vierten Teil des Rededuells in der "Bild"-Zeitung zu. "Insofern hätten wir überlegen können, ob wir nach dem Beispiel anderer Länder hätten gesetzlich für ein Jahr eine doppelte Auszeichnungspflicht anordnen sollen."
In Österreich sei doppelt ausgezeichnet worden, antwortete sein Herausforderer Edmund Stoiber. Dort seien im Dienstleistungsbereich und im Gastronomiebereich solche Sprünge nicht festzustellen, wie sie in Deutschland zu verzeichnen waren. Er hoffe, dass man diese Teuro-Diskussion wegbekommt.
Diese lässt sich nach Ansicht von Bundesbankpräsident Ernst Welteke jedoch nicht mit rationalen Argumenten stoppen. "Das Thema kommt aus dem Bauch", sagte Welteke. "Wir kommen mit Fakten wie beispielsweise der tatsächlichen Inflationsrate nicht gegen diese unverständliche Debatte an."
Derweil ist der "Anti-Teuro-Gipfel" offenbar endgültig gescheitert: Ohne Gastronomie, Handel und Handwerk findet am heutigen Mittwoch in Berlin ein zweites Treffen lediglich mit Vertretern der Verbraucherzentralen und Gewerkschaften statt. Bereits am Montag hatte der Handelsverband HDE seine Teilnahme an dem von Verbraucherministerin Renate Künast ins Leben gerufenen Bündnis von Politik und Wirtschaft abgesagt. Die Verbände wollen nicht hinnehmen, dass Ministerin Künast eine Internet-Meldestelle für Preis-Abzocker einrichtet.
Vertreter aus Politik und Wirtschaft kritisierten dies scharf: "Die Absagen sind nichts Positives, weil der Gipfel für die Verbraucher sicherlich eine vertrauensbildende Maßnahme gewesen wäre. Jetzt müssen sich die Kunden durch Preisvergleiche im Geschäft oder im Internet behelfen", sagte der Berliner Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt der "Bild"-Zeitung.
Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch erklärte: "Mit einer solchen Verweigerungshaltung schaffen wir kein neues Vertrauen bei den Verbrauchern. Die Wirtschaft müsste das erste Interesse daran haben, aus dem Generalverdacht der Preistreiberei herauszukommen."
Auch Edda Müller, die Chefin des Dachverbands der Verbraucherschutzzentralen, schloss sich der Kritik an: "Die Bürger sollen endlich wieder sorgenfrei einkaufen können. Dazu brauchen wir das Signal, dass sich alle Beteiligten intensiv darum kümmern."
Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) bekräftigte, dass sie noch immer auf eine Einigung hoffe: "Die Verbände sind weiterhin eingeladen, an den Tisch zurückzukehren. Die Tür steht immer offen..."