Kantinencheck Drang zur Völlerei
DKV in Köln: Alles ist im Fluss
Eines kann man sich in der Kantine der DKV-Zentrale in Köln gründlich abschminken: dass das Essen bei Europas größter Privatkrankenversicherung zwangsläufig gesund sein muss. Wer mag, kriegt hier auch Currywurst mit Pommes oder ein Steak und eine Cola. "Unsere Mitarbeiter wählen eigenverantwortlich aus, was sie essen möchten", sagt DKV-Sprecher Christian Heinrich. Immerhin weisen farbige Schilder auf unterschiedliche "Nährstoffschwerpunkte" hin. Das "Low Budget"-Essen ist das fettreichste.
Und so fangen die Leute von der Abteilung Casinobetriebe erst gar nicht mit der Gesundes-Essen- kann-auch-gut-schmecken- Geschichte an. "Die Leute sollen in ihrer 30-minütigen Mittagspause schließlich gerne herkommen", sagt Casino-Chef Norbert Sebastian. Und das tun sie: Internen Befragungen zufolge nutzen 73 Prozent aller 2200 Mitarbeiter die zwei Kantinen - eine aus dem Jahr 1970 und eine modernere, die erst im vergangenen Jahr eröffnet hat.
Wer mag, bekommt ein vegetarisches Gericht oder bedient sich an der Salatbar. Eine Grillstation gibt heute gegrillten Zander aus, an einer anderen Stelle brutzeln Hühnerfilets und köchelt braune Sauce. Eine Pizzastation bereitet auf Bestellung frische Pizza zu, gegenüber rührt eine Service-Mitarbeiterin in einem Wok herum. "Wir bereiten alles frisch vor den Augen unserer Mitarbeiter zu", sagt Sebastian. 40 Leute stehen ihm dafür zur Verfügung.
Wer hier durchgeht, hat die Qual der Wahl, und zwar zwischen insgesamt acht ausgesprochen lecker aussehenden Gerichten, die jeweils zwischen zwei und drei Euro kosten. Salate und Nachspeisen (Vanillecreme, Mousse au Chocolat, Obstsalat) werden nach Gewicht bezahlt.
Ob Vorspeise, Hauptgang oder Dessert - Kritikpunkte lassen sich kaum finden. Wenn überhaupt, dann allenfalls die Konsistenz der Soße - geschenkt. Wenn man's genau nimmt, beginnt beim Essen die in der Gesundheitsbranche viel beschworene Eigenverantwortung: Es gilt, dem spontanen Bedürfnis nach Völlerei zu widerstehen. Hasnain Kazim
Im Wintergarten von Herrn Kaiser
Die Kantine der Hamburg-Mannheimer sieht aus wie ein großer Wintergarten: Durch die Glasfassade und die grünen Blätter der akkurat geschnittenen Topfbäumchen blinzeln die wärmenden Strahlen der Hamburger Spätsommersonne und tauchen den Raum in ein angenehmes Licht - Herr Kaiser-Wetter.
Auch das Essen auf den Tabletts wirkt sommerlich-leicht: In kleinen Gläsern werden frische Fruchtsäfte angeboten - Kiwi, Mango, Erdbeere. Dazu gibt es Hähnchenbrust mit grünem Pfeffer, Reis und gebratenen Zucchini.
Der bayrische Kantinen-Chefkoch Josef Bauer hat schon auf mehreren Kreuzfahrtschiffen gearbeitet. Sein Fernweh brachte ihn bis in die Hotelküche des "Kuwait Sheraton". Entsprechend vielfältig ist die Küche: Auf dem Speiseplan stehen lokale Gerichte wie Labskaus und Bohnen mit Speck neben internationalen Spezialitäten wie Lammkeule auf orientalischem Reis. Jeden Tag können die Mitarbeiter zwischen drei Menüs wählen. Besonders vitaminreiche und fettarme Kost ist mit einem Smiley gekennzeichnet.
Eine Kantine, in der täglich Essen für 1800 Mitarbeiter gekocht wird, muss organisiert werden wie eine Fabrik. Hin und wieder spricht Bauer auch wie ein Manager: "Die Zutaten werden hier just in time angeliefert und gleich verarbeitet, darum brauchen wir kein Lager." Auch die Ausgabe funktioniert vollautomatisch: Wie in japanischen Restaurants laufen die Teller mit den Gerichten auf gewärmten Platten immer im Kreis, bis ein hungriger Mitarbeiter zugreift.
Trotz der enormen Menge an Lebensmitteln, die täglich verarbeitet wird, schmeckt das Essen nicht nach Massenware. Auch wenn die Pfeffer-Sahne-Soße nicht nur optisch, sondern auch geschmacklich etwas farblos ist: Das Hähnchenfleisch ist sehr zart, die gebratenen Zucchini sind überraschend knackig. Zum Nachtisch gibt es Früchtecreme. Lukas Bay
Speisen im Kunst-Tempel
Die Hauptstadt-Repräsentanz der Dresdner Bank am vornehmen Pariser Platz könnte auch als Kunstmuseum durchgehen. Gleich im Foyer begegnet man einem bronzenen Pferd des italienischen Bildhauers Mimmo Paladino. In den Fluren und Büroräumen hängen Werke von Christo, Michael Wesely, und François Morellet.
Anders als Eingangshalle, Büros und Flure ist die hauseigene Kantine eher zurückhaltend ausstaffiert. Helles Holz, Glas und Edelstahl dominieren, eine orange Wand setzt den farbigen Akzent. Weiter hinten fällt der Blick auf die in einem Lichtschacht aufgehängte Installation "Virtuelle Ellisoide" von Jesús Rafael Soto.
Gemessen an den Kantinen der größeren Standorte geht es hier beschaulich zu. "Im Durchschnitt rechnen wir mit bis zu 100 Gästen pro Tag", sagt Kantinen-Chefin Diana Striek. Trotzdem ist die Auswahl beachtlich. An der Essensausgabe können die Gäste zwischen drei Hauptgerichten wählen. Selbstbedienungstheken für Beilagen, Salat und Nachtisch ergänzen das Angebot.
Das große Angebot hat aber auch eine Kehrseite: Um die Vielfalt bieten zu können, muss die Küchenmannschaft auf die Hilfe der Zentralküche in der Niederlassung am Berliner Ostbahnhof zurückgreifen. Der Weg vom Herd auf den Tisch wird damit für manche Speise zu lang.
Das attraktivste Gericht an diesem Tag ist das Wildgulasch auf Spätzle mit einer Mousse aus Preiselbeeren und Créme fraiche. Als Beilage probieren wir den Salat und zum Dessert einen Pudding, der ein wenig an Créme brûlée erinnert.
Das Gulasch entpuppt sich als Treffer. Die Fleischstücke sind zart und ohne Sehnen und knorpelige Fettränder, die Soße allerdings hätte etwas weniger Bindemittel vertragen können. Den Spätzle dagegen hat die Wärmelampe arg zugesetzt. Noch schlechter schneidet das Dessert ab. Die angebräunte Oberfläche hat nichts gemein mit der knackenden Zuckerglasur des französischen Originals. Die Créme schmeckt eher mehlig als cremig und schon gar nicht nach Vanille.
Angesichts des günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses lässt sich das aber verschmerzen. Zumal die Mitarbeiter eine ganz spezielle Möglichkeit haben, ihre Unzufriedenheit deutlich zu machen: Um die Personalkosten niedrig zu halten, wurde nämlich auf eine Kassiererin verzichtet. Die Gäste bezahlen also nur, was sie selbst eingeben. Möglicherweise nutzt der eine oder andere die Chance, die Rechnung von Vortag ein wenig zu korrigieren. Michael Kröger
Anm. d. Red.
Durch einen Redigierfehler im ursprünglichen Text ist der Eindruck entstanden, dass Kantinenchefin Striek die Zuschüsse zum Kantinengeschäft in der Dresdner Bank am Pariser Platz in Zusammenhang mit der schlechten Zahlungsmoral der Mitarbeiter gebracht hätte. Das ist falsch. Uns fiel lediglich auf, dass keine Kassiererin da ist, um das Essen jedes Einzelnen abzurechnen. Wir bitten, das Missverständnis zu entschuldigen.