"Karneval des Konsums" Techno und brennende Barrikaden
Prag - Es war eine trügerische Ruhe, die eine Woche lang die Vorgespräche der Weltwährungskonferenz in Prag begleitete. Am Dienstag wurden die Hoffnungen brutal enttäuscht, es könne trotz der Proteste bei ähnlichen Veranstaltungen in Seattle und Washington diesmal ruhig bleiben: Bei Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei gab es Verletzte auf beiden Seiten.
Nach den friedlichen Demonstrationen des Wochenendes hatte auch am Dienstag eine Großkundgebung auf dem Prager Friedensplatz ohne Aggressivität begonnen: Rund 7000 Teilnehmer aus verschiedenen Ländern tanzten zu Techno-Rhythmen auf einem "Karneval gegen den Konsum", verteilten Flugblätter und schwenkten Transparente. Nach etwa zwei Stunden marschierte die Menge allerdings zum nahen Kongresszentrum, wo bis Donnerstag die Vertreter des IWF und der Weltbank tagen.
Die tschechischen Behörden hatten in der vergangenen Woche den Marsch verboten. Dennoch versuchten die Demonstranten in mehreren Gruppen, die Ausfahrten des Kongresszentrums zu blockieren. Während der Großteil der Teilnehmer gewaltlos gegen die Politik der beiden Finanzorganisationen protestierte, provozierten Autonome die Sondereinheiten mit Steinen und "Molotow-Cocktails".
Die Polizei antwortete hart mit dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern und drängte die Demonstranten an vielen Stellen zurück. Nur auf der Autobahnbrücke, die zum Tagungsort führt, lieferten sich Anarchisten der Gruppe "Ya Basta!" und martialisch aussehende Mitglieder einer Sondereinsatztruppe stundenlange Gefechte. An anderen Stellen errichteten Demonstranten Barrikaden und entzündeten sie.