Karstadt-Kapitalerhöhung "Ein unwürdiges Schauspiel"
Essen - Ein Konzernsprecher bestätigte, dass Gespräche geführt würden, wollte aber weder etwas zum Personenkreis noch zum Inhalt sagen. "Wir sind optmistisch, zu einem Ergebnis zu kommen", hieß es. Für Donnerstag kündigte das Unternehmen eine Stellungnahme an.
Drei der insgesamt sechs Aktionäre, die sich gegen die Kapitalerhöhung stemmen, werden durch den Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie (VFA) vertreten, sagte dessen Schriftführer Leonhard Knoll der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. Neben den Mitgliedern des Verbandes hatten der Aktionär Rainer Johannes und zwei weitere Anteilseigner auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am Montag Widerstand gegen die Kapitalerhöhung um 500 Millionen Euro bekundet. Laut KarstadtQuelle ist der Einspruch von Johannes allerdings aus formalen Gründen ungültig. Dieser sieht das anders.
Falls bis zum Freitag keine Lösung gefunden werden kann, droht der Kapitalerhöhung und damit dem gesamten Sanierungskonzept des ums Überleben kämpfenden Warenhausriesen das Aus. Der Vollzug der Kapitalerhöhung ist wegen des drastisch geschrumpften Eigenkapitals überlebenswichtig und außerdem Voraussetzung für die unter dieser Bedingung zugesagte Verlängerung der Kreditlinien über 1,75 Milliarden Euro für drei Jahre.
"100.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel"
Der Betriebsratsvorsitzende des Essener Konzerns, Wolfgang Pokriefke, ist überzeugt, dass in den Verhandlungen rechtzeitig ein Ergebnis gefunden werden könne. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein paar Kleinaktionäre so verrückt sein können, 100.000 Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzten", sagte Pokriefke, der auch Mitglied des KarstadtQuelle-Aufsichtsrats ist. Derzeit laufe ein "unwürdiges Schauspiel" ab, sagte er.
Aktionärsschützer haben unterdessen Vorwürfe zurückgewiesen, bei der Blockade der Kapitalerhöhung gehe es ihnen um finanzielle Vorteile. "Das ist eine nackte Unverschämtheit", sagte VFA-Schriftführer Leonhard Knoll.
Der Einspruch sei ein rein formaler Akt, mit dem Kleinaktionäre ihre Rechte bei künftigen gerichtlichen Verfahren wahren wollten. "Auf keinen Fall haben wir die Sanierung von KarstadtQuelle damit blockieren wollen." Zum Stand der Verhandlungen machte Knoll keine Angaben. Dies sei Sache des Konzerns.