Karstadt Kompakt: Profitabel in der Provinz - DER SPIEGEL
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Karstadt Kompakt Profitabel in der Provinz

Nach dem Verkauf müssen 74 kleine Karstadt-Filialen künftig alleine überleben. Die neuen Eigentümer machen Tempo. Mit einer Frischzellenkur für die Provinzkaufhäuser will das Management den neu entstandenen Handelskonzern noch in diesem Jahr in die Gewinnzone führen.
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Hattingen - Die Karstadt-Filiale im nordrhein-westfälischen Hattingen ist zumindest äußerlich kaum dazu geeignet, einen Kaufrausch zu entfachen. Das Warenhaus in der Großen Weilstraße Nummer 18 bis 20 atmet noch den Geist der siebziger Jahre: grauer Waschbeton bestimmt das Bild. Die Bausubstanz ist stellenweise gezeichnet von Taubenkot. Kalt pfeift der Wind durch die Passage, in der der Eingangsbereich liegt.

Dennoch soll von Karstadt-Hattingen ein Aufbruchsignal ausgehen. Die Filiale gehört zu jenen 74 kleinen Warenhäusern mit Flächen zwischen 2000 und 8000 Quadratmetern, die der Handelskonzern KarstadtQuelle   im Zuge seines Sanierungsprogramms Anfang September offiziell an die britischen Investoren Dawnay Day und Hilco veräußerte. KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff hatte die Dependancen nicht mehr zum Kerngeschäft gezählt. Er sieht den Schwerpunkt des Unternehmens künftig bei Edelobjekten wie dem Hamburger Alsterhaus oder dem Berliner Kaufhaus des Westens.

Entstanden ist nach der Trennung ein neuer Handelskonzern mit einem Umsatz von 680 Millionen Euro, der seine Standorte vorwiegend in kleinen und mittleren Städten wie Aschaffenburg, Gladbeck oder Cuxhaven hat. Die kleinen Warenhäuser agieren zunächst unter dem Namen Karstadt Kompakt.

Die neuen Eigentümer drücken dort aufs Tempo. "Schon in diesem Jahr werden wir ein positives Ergebnis erreichen", erklärten die Karstadt-Kompakt-Geschäftsführer Harald Fölkel und Ralf Dettmer heute vor Journalisten. Die Manager haben den kleinen Warenhäusern dafür eine Frischzellenkur verordnet. Karstadt-Hattingen gilt dabei neben Dortmund-Aplerbeck und Duisburg-Walsum als Pilotprojekt.

"Schnell und schlank"

Am Warenhausprinzip wurde dabei nicht gerüttelt. Wie zuvor präsentiert sich Karstadt Kompakt als Gemischtwarenladen, in dem Fußbälle, Damenkosmetik und Hifi-Anlagen nebeneinander angeboten werden. Heller und aufgeräumter seien die Kaufhäuser jetzt aber, sagen Dettmer und Fölkel. Konsequenter als bisher werde das Sortiment dort zudem an das Umfeld angepasst. In Hattingen mit einem vergleichsweise gut situierten Kundenstamm gibt es jetzt mehr Markenware zu kaufen als im Duisburger Markt, wo die Leute weniger Geld ausgeben.

Auch soll zukünftig die Konkurrenzsituation stärker das Angebot bestimmen. Wenn etwa ein Saturn oder ein Mediamarkt nebenan die Tore öffnet, werden benachbarte Karstadt-Kompakt-Filialen keine Elektroartikel mehr führen. Auf kostspielige Preiskämpfe mit den Platzhirschen lassen sich die neuen Hausherren nicht mehr ein. "Wir sind sehr schnell und sehr schlank", erklärt Dettmer die Strategie.

Tatsächlich hat die Doppelspitze alles, was nicht mit dem Warenhausbetrieb zu tun hat, ausgelagert. Von 4750 Angestellten arbeiten nur 50 in der Zentrale. IT, Buchhaltung, Personalwesen, Gebäudeverwaltung und Einkauf erledigt bis 2008 noch die frühere Mutter KarstadtQuelle  . Kompakt-Chef Fölkel will einige Jobs aber schon vorher an Dritte vergeben. "Es geht nicht an, dass ein Wettbewerber weiß, wie viel unsere Angestellten verdienen", gibt er sich selbstbewusst.

Forcierter Umbau

Die Kompakt-Chefs münzen vermeintliche Nachteile ihres "Start ups", wie es Dettmer nennt, in Vorteile um. So sei es nur gut, dass die Geschäfte teilweise in der Provinz angesiedelt sind. Im Gegensatz zu den Großstädten halte sich die Abwanderung der Konsumenten ins Umland dort in Grenzen. Auch eine Verjüngung ist nicht geplant, die Kunden jenseits der 35 sind weiterhin willkommen. "Gerade bei denen liegt das Geld", frohlockt Dettmer.

Damit diese Kunden künftig den Weg in die Geschäfte finden, forciert Karstadt Kompakt den Umbau. Noch in diesem Jahr sollen 13 weitere Filialen modernisiert werden, 2006 folgen die nächsten 20, der Rest ist 2007 an der Reihe. Einen zweistelligen Millionenbetrag wird das kosten, den das Unternehmen aus dem laufenden Geschäft finanzieren will.

Selbst Expansionspläne verfolgen Dettmer und Fölkel als ob es die Karstadt-Krise nie gegeben hat. "Vor allem in Süddeutschland gibt es noch viele weiße Flecken auf unserer Karte", sagen die Kompakt-Chefs. Sogar Zukäufe im Ausland finden sie wieder interessant. "Wenn, dann gehen wir nach Osteuropa", erklärt Dettmer.

Schließungen sind nicht geplant

Von Seiten der Belegschaft müssen sie nicht mit Widerstand rechnen. "Wir sind froh, dass die Investoren an unser Konzept glauben", sagt der designierte Karstadt-Kompakt-Gesamtbetriebsrat, Volker Küpper. Die Angestellten sind vor allem erleichtert, weil die Aufkäufer von einer Verschärfung des Sparkurses absehen wollen. Schon im Rahmen der KarstadtQuelle-Sanierung haben die Mitarbeiter auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichtet. Dabei bleibt es. Im Gegenzug beteuern die Geschäftsführer, dass es weder zum Abbau von Arbeitsplätzen noch zu Schließungen kommen wird.

Eine brisante Aufgabe kommt auf Fölkel und Dettmer indes noch zu. Die Marke Karstadt dürfen sie nur noch bis 2008 nutzen. Bis dahin müssen sie einen neuen Namen für ihren Kaufhauskonzern gefunden haben. Ein schwieriges Unterfangen. Denn wenn die Kunden die Geschäfte meiden, weil das Karstadt-Logo fehlt, könnten sich alle Expansionspläne zerschlagen. "Die Umbenennung ist absolut entscheidend", sagt dann auch Dettmer. Schon im kommenden Jahr wollen die Verantwortlichen den neue Namen mit dem Zusatz "Karstadt" einführen. Zug um Zug soll die alte Marke dann aus dem Alltag verschwinden.

Zumindest für die Hattinger-Vorzeigefiliale dürfte dann erleichternd hinzukommen, dass sich etwas am schäbigen Äußeren ändern wird. Kompakt-Geschäftsführer Dettmer hat deswegen schon mit den Stadtbehörden gesprochen, die ihm ihre Unterstützung zugesagt haben. "Hier wird einiges passieren", sagt er mit Blick auf die graue Fassade.