Karstadt-Krise Betriebsrat warnt vor Pleite
Düsseldorf/Essen - Wenn mit der Belegschaft keine Einigung über die Sanierungsmaßnahmen erzielt werden kann, drohe die Insolvenz, warnte Pokriefke. Das Unternehmen habe ernste finanzielle Probleme, erklärte Pokriefke, der zugleich stellvertretender Aufsichtsratschef ist.
Die KarstadtQuelle-Aktie reagierte mit deutlichen Kurseinbußen auf die Äußerungen. Ein Aktienhändler sagte: "Das sind wirklich ganz schlechte Nachrichten zu Karstadt, das muss man nicht weiter kommentieren. Die Kursbewegung sagt schon alles."
Am Wochenende hatte bereits Konzernchef Christoph Achenbach indirekt mit einer möglichen Insolvenz des Handelsriesen gedroht, falls die Arbeitnehmer die harten Einschnitte nicht hinnehmen sollten. Wenn Verdi nicht mitziehe, würden die Banken und Großaktionäre den Geldhahn zudrehen, hatte er erklärt. "Dann wäre es aus", hatte Achenbach gewarnt.
KarstadtQuelle: Keine Insolvenzgefahr
Die Gefahr einer Insolvenz, wie sie vom Gesamtbetriebsrat thematisiert worden sei, sehe das Unternehmen derzeit nicht, sagte dagegen ein Konzernsprecher. Man sei in "konstruktiven Gesprächen" mit den Banken über die weitere Finanzierung und mit den Anteilseignern hinsichtlich einer geplanten Kapitalerhöhung.
Dennoch bewertete der Sprecher die Aussagen des Betriebsrates über eine drohende Insolvenz positiv, da dieser offenbar den Ernst der Lage erkannt habe. Dies sei eine gute Basis für konstruktive Verhandlungen.
"Es wäre klug, zuerst zu verhandeln und dann Szenarien eines möglichen Streiks durchzuspielen", sagte eine Ver.di-Sprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE. Eine Drohkulisse zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei wenig hilfreich, hieß es weiter.
Arbeitnehmer setzen auf Deeskalation
Am Montag trafen sich Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi in Kassel, um das weitere Vorgehen zu klären und eine gemeinsame Strategie für die Gespräche mit dem Karstadt-Vorstand zu bestimmen. Betriebsratschef Pokriefke setzte dabei auf die Verständigung mit dem Management. "Wir wollen einen Weg finden, wie wir uns mit dem Unternehmen einigen können", sagte er in Kassel während der Beratungen der Arbeitnehmervertreter.
Gewerkschaft und Betriebsrat haben bislang teils abweichende Positionen hinsichtlich ihrer Bereitschaft zum Entgegenkommen signalisiert. Während Verdi-Bundesvorstandsmitglied Franziska Wiethold in den vergangenen Tagen mehrfach betont hatte, dass die Gewerkschaft das Sanierungskonzept nicht mittrage, hatte der Gesamtbetriebsrat durchaus Bereitschaft zu tiefen Einschnitten erkennen lassen.
"Ein Solidarpakt ist immer dann ein gangbarer Weg, wenn es ein Geben und Nehmen gibt", hatte Betriebsratschef Pokriefke gesagt. "Wenn die Firma signalisiert, dass sie bereit ist, möglichst viele Standorte zu erhalten und möglichst auch einer Beschäftigungssicherung zustimmt, dann sind auch die Arbeitnehmer bereit, etwas zu geben."
Dennoch sind Gewerkschaft und Arbeitnehmervertreter nunmehr bemüht, den Konflikt nicht eskalieren zu lassen. Beide Seiten verständigten sich auf eine entsprechende Strategie für die Verhandlungen mit dem Vorstand, die nächste Woche stattfinden sollen. Ver.di wies dann auch Spaltungsgerüchte zurück. "Alle ziehen an einem Strang", hieß es bei der Gewerkschaft.