Karstadt-Krise: Die Fronten verhärten sich - DER SPIEGEL
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Karstadt-Krise Die Fronten verhärten sich

Im Ringen um die Einigung über einen Sanierungsplan für den angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzern wir die Zeit für die Beteiligten allmählich knapp. Auch nach dreitägigem Ringen haben Vorstand und Arbeitnehmerseite bis zum Mittwochabend keine Einigung erzielt. Die Verhandlungsführer stellten sich auf eine lange Nacht ein.
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Essen - Mit dem Beitrag der Belegschaft stehen oder fallen auch die anderen Bausteine des milliardenschweren Rettungsprogramms von Konzernchef Christoph Achenbach: Er will bis zum Donnerstag eine Einigung mit den Arbeitnehmern erreichen, weil der Aufsichtsrat am selben Tag die Weichen für die geplante Kapitalerhöhung im Volumen von 500 Millionen Euro stellen soll. Zudem verhandelt KarstadtQuelle noch mit Banken über die Verlängerung von Kreditlinien im Volumen von 1,75 Milliarden Euro. Auch dies ist nach Aussage von Konzernsprecher Jörg Howe grundsätzlich von einem Durchbruch mit den Arbeitnehmern abhängig. "Wenn es nicht zu einer Einigung kommt, kommen wir in ernsthafte Schwierigkeiten", sagte Howe.

Nach Informationen aus Bankenkreisen haben nahezu alle Institute bereits ihre Zustimmung signalisiert. Lediglich zwei Institute - mit jeweils kleineren Kreditbeträgen - sollen sich demnach noch gegen eine Verlängerung von Krediten sperren.

Unterdessen machten sich Ver.di und der KarstadtQuelle-Vorstand gegenseitig für die festgefahrenen Verhandlungen verantwortlich. Die Gewerkschafter hatten nach Darstellung von Vorstandsmitglied Franziska Wiethold ein eigenes Paket auf den Tisch gelegt, mit dem in den nächsten drei Jahren bei Karstadt Personalkosten im Volumen von 480 Millionen Euro gespart werden können, ohne dass es zu betriebsbedingten Kündigungen kommen muss. Im Kern gehe es darum, den angestrebten Stellenabbau - rund 3000 in der Verwaltung und 600 bis 800 in der Hauptverwaltung - ohne betriebsbedingte Kündigungen in die Tat umzusetzen. Dazu sollten die Betroffenen in den Verkaufsbereich versetzt werden, auch wenn dies für die Einzelnen schmerzlich sein könne, sagte Wiethold.

Dieses Angebot ist nach Aussage Howes vom Vorstand als unzureichend abgelehnt worden. "Wir müssen einen Einsparungsbetrag von über 500 Millionen Euro erreichen, diese Zahl ist nicht verhandelbar", sagte Konzernsprecher Howe. Zusätzlich gehe es in der Versandhandelssparte - mit Quelle und Neckermann - um einen dreistelligen Millionenbetrag, nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" handelt es sich um 250 Millionen Euro. In der Versandsparte waren beide Seiten nach Darstellung von Ver.di und KarstadtQuelle aber noch weiter von einer Lösung entfernt als im Warenhausbereich.

Ver.di warf dem Management vor, aus "ideologischen Gründen" jeden Vorschlag der Beschäftigtenseite zu blockieren. Viele Sparvorschläge würden nicht akzeptiert, damit aus Prinzip tiefe Tarifschnitte vorgenommen werden könnten. "Ich habe den Eindruck, es wird ein Grundsatzstreit auf unseren Knochen geführt, wie man auch gegen Arbeitnehmervertreter einen Sanierungsbeitrag durchsetzen kann", sagte Wiethold. Die Arbeitnehmer haben bislang den Verzicht auf übertarifliche Leistungen angeboten, lehnen die verlangten Einschnitte in die Tarifeinkommen und längere Arbeitszeiten aber ab.

Bei der geplanten Trennung von großen Konzernteilen kommt das Management nach eigener Darstellung zügig voran. Achenbach sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", es gebe ein großes Interesse an allen zum Verkauf stehenden Unternehmensteilen. Die geplanten Desinvestitionen sind - neben Arbeitnehmerbeitrag, Kapitalerhöhung und Bankkrediten - ein weiterer Baustein des Sanierungskonzeptes: Achenbach verspricht sich allein davon einen Zufluss von 1,1 Milliarden Euro.

Einer der ersten, unmittelbar vor dem Abschluss stehenden Schritte werde der Verkauf der Logistikaktivitäten sein, sagte Achenbach. Allein damit dürfte fast die Hälfte des geplanten Liquiditätszuflusses gesichert sein. Für die 77 zur Disposition stehenden Karstadt-Warenhäuser liegen nach Aussage von Warenhausvorstand Helmut Merkel bereits mehr als 100 Anfragen von Investoren vor. "Mit drei potenziellen Investoren verhandeln wir konkret", sagte Merkel dem Magazin "Capital".