Karstadt-Sanierung: Rettung in letzter Minute - DER SPIEGEL
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Karstadt-Sanierung Rettung in letzter Minute

Einige Tage lang stand er auf der Kippe. Jetzt kann der Sanierungsplan für den KarstadtQuelle-Konzern doch umgesetzt werden. Nach zähen Verhandlungen hat sich der Konzern mit einzelnen Aktionären auf mehr Transparenz im Sanierungsprozess geeinigt. Individuelle Sonderleistungen erhielten die Widerständler nicht.
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Essen - Konzernsprecher Jörg Howe war sichtlich erleichtert, als er am späten Abend vor die Presse trat. "Die letzte Hürde ist geschafft", sagte er. "Wir können davon ausgehen, dass die Kapitalerhöhung nunmehr umgesetzt werden kann." Das solle noch in diesem Jahr geschehen. Jetzt könne man sich um das "lebenswichtige" Weihnachtsgeschäft kümmern.

Zu den Einschnitten im Konzern gehören die Streichung von 5700 der 100.000 Arbeitsplätze. Das Unternehmen will sich in seinem Warenhausgeschäft auf 89 große Filialen konzentrieren. 77 kleine Häuser sollen ab Anfang kommenden Jahres ausgegliedert und später abgegeben werden.

Ausgabepreis für neue Aktien beträgt 5,75 Euro

Wie der Konzern am Abend mitteilte, soll der Bezugspreis für neue Aktien 5,75 Euro betragen. Durch die Kapitalerhöhung rechnet KarstadtQuelle mit Zuflüssen von 535 Millionen Euro vor Kosten. Der Verkaufsprospekt solle voraussichtlich heute gebilligt werden.

Die Aktionäre hatten den ursprünglich vorgesehenen Mindestausgabepreis von vier Euro je Aktie als zu niedrig kritisiert und damit die dringend notwendige Kapitalspritze blockiert. Die Kapitalerhöhung und ein von den Banken zugesagter Kredit von 1,75 Milliarden Euro zählen zusammen mit einem bereits ausgehandelten Sanierungsbeitrag von 760 Millionen Euro zu den Bausteinen des Gesamtpakets.

Vorstand soll Gründe für die Krise offen legen

Der Vorstand erklärte sich zudem bereit, Zusatzinformationen zu dem von dem Unternehmensberater Roland Berger vorgelegten Sanierungsgutachten bereitzustellen. Außerdem soll im Geschäftsbericht 2004 ein ausführlicher Risikobericht vorgelegt werden, der auf die Ursachen der derzeitigen Krise des Unternehmens eingeht und auf die sich daraus ergebenden notwendigen Änderungen des internen Kontrollsystems. Über den Stand der Umsetzung dieser Maßnahmen soll künftig in regelmäßigen Abständen Rechenschaft abgelegt werden.

Dokumentiert werden sollen auch die Gründe, warum der vom Abschlussprüfer geprüfte Risikobericht vom Februar 2004 sowie die Informationen auf der Hauptversammlung im Mai 2004 die dramatische Verschlechterung der Lage des Unternehmens nicht hatten erkennen lassen.

Geld an die Kleinaktionäre ist nach Worten Howes nicht geflossen. Sondervorteile oder Kostenerstattungen wurden den Angaben zufolge nicht gewährt. Sie seien von den widersprechenden Aktionären auch zu keiner Zeit gefordert worden, erklärte der Konzern. Bedauern über "diffamierende Äußerungen" In der offiziellen Erklärung äußerte der Konzern Bedauern über "die in der Presse getätigten diffamierenden Äußerungen einiger Aufsichtsratsmitglieder gegenüber diesen Aktionären, die weder mit dem Vorstand noch mit dem Aufsichtsrat abgestimmt waren, noch der Auffassung des Unternehmens entsprechen". In diesem Zusammenhang seien den Aktionären gegenüber entsprechende Unterlassungserklärungen abgegeben worden.

Die Aktionäre erklärten dazu, dass "gerade auch diese gewerkschaftsverbundenen Personen dem Aufsichtsrat beziehungsweise Betriebsrat des Unternehmens seit vielen Jahren angehören und insoweit Gelegenheit hatten, auf die Ursachen Einfluss zu nehmen, die zu der derzeitigen Situation des Unternehmens geführt hätten".

Einige Kleinaktionäre hatten auf der Hauptversammlung des Konzerns Anfang der Woche Widerspruch gegen die dringend benötigte Kapitalerhöhung des Unternehmens eingelegt. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff und Konzernchef Christoph Achenbach hatten gewarnt, dass ein Widerspruch die Existenz des Handelsriesen gefährden und KarstadtQuelle in die Insolvenz führen könne.

Widersprochen hatte eine Gruppe von Kleinaktionären, die vom Verein zur Förderung der Aktionärsdemokratie vertreten werden, sowie der Kasseler Kleinaktionär Rainer Johannes.