KarstadtQuelle Angriff auf die Banken
Essen - Nach Angaben des Vorstandsmitglieds Peter Gerard will KarstadtQuelle mittelfristig ins Girokonten-Geschäft einsteigen. Derzeit prüfen Mitarbeiter, ob die 10.000 Kassen der Warenhäuser für Bankdienstleistungen geeignet wären.
KarstadtQuelle ist bereits der größte Vertreiber von Mastercards. Innerhalb von nur zehn Monaten hat sich der Essener Handelskonzern mit 950.000 im Umlauf befindlichen Karten in Deutschland an die Spitze der Mastercard-Emittenten gesetzt. 1,3 Millionen sollen es in diesem Jahr noch werden. Eine Prognose, die den etablierten Instituten Angst machen könnte, schließlich ist die Kreditkarte im Handel heute integraler Schlüssel zum Kunden und zu seinem Portemonnaie.
Die hohe Anzahl der herausgegebenen Karten ist allerdings wenig verwunderlich. Schließlich gibt der Essener Konzern die Karten an seine Kunden zum Nulltarif ab. Die Kunden müssen dazu lediglich ihre Zahlungsfähigkeit nachweisen.
Happy-Digit-Programm zur Kundenbindung
Vorteil für die Kunden: Sie sammeln mit der Kreditkarte auch gleich Bonuspunkte für das Happy-Digit-Programm. Vorteil für den Konzern: Er erhält Einblick in die Kaufgewohnheiten seiner Kunden.
Mit der Kreditkarte hat der Konzern allerdings noch mehr vor. Sie soll dem Handelsunternehmen helfen, die Expansion ins Finanzgeschäft voranzutreiben. Karstadt will jetzt über die Mastercard auch Kredite mit flexiblen Rückzahlungsmöglichkeiten anbieten.
Vor allem sein Versandhandel könnte davon profitieren: Die konzerneigenen Versender finanzieren ein Drittel ihres Umsatzes über das Ratengeschäft.
Doch die Pläne gehen noch weiter: Seit einiger Zeit besitzt der Konzern eine Lizenz zum Betreiben einer Vollbank. Diese wird schon genutzt: Verbunden mit dem Kreditkartenkonto können sich Kunden seit neuestem auf Wunsch auch ein verzinstes Tagesgeldkonto einrichten lassen. Später möchte der Konzern auch Girokonten anbieten.
Der Deutsche Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) sieht die Vorhaben von KarstadtQuelle gelassen. Auf Anfrage von manager-magazin.de verwies eine Verbandssprecherin auf den "traditionell sehr hohen Wettbewerb im Bankensektor Deutschlands". Als Universalbanken seien die Sparkassen bestens aufgestellt und gehören zu den Instituten, die den Wettbewerb in der Fläche intensiv beleben. "Wir gehen davon aus, dass der überwiegende Teil der Kunden auch in Zukunft auf die persönliche Beratung in der Filiale in der Nähe großen Wert legt."