KarstadtQuelle Aufsichtsrat stimmt Notprogramm zu
Essen - Wie bereits in den vergangenen Wochen angekündigt, will sich der angeschlagene Essener Versandhandel- und Kaufhauskonzern KarstadtQuelle neu ausrichten. Jetzt hat der Aufsichtsrat dem Rettungsprogramm des Vorstands zugestimmt. Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis und zum weiteren Abbau der Nettofinanzverschuldung sei eine Kapitalerhöhung mit einem Emissionsvolumen von 500 Millionen Euro vorgesehen, teilte das Unternehmen am Montagabend in Essen in einer Pflichtveröffentlichung mit.
Weiterer Bestandteil der vom Aufsichtsrat beschlossenen Neuausrichtung sei ein Maßnahmenpaket mit Bewertungs- und Restrukturierungsmaßnahmen. Dieses Paket werde das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres einmalig in der Höhe bis zu 1,4 Milliarden Euro belasten, hieß es von Konzernseite. Das Management plane auf Basis der Neuausrichtung bereits für das Geschäftsjahr 2005 ein deutlich positives Ergebnis.
Das Einzelhandels-Geschäft soll sich künftig auf das so genannte Kernportfolio mit 4,5 Milliarden Euro Umsatz konzentrieren. Vom Nicht-Kernportfolio mit einem Umsatz von 0,7 Milliarden Euro will der Konzern sich trennen. Zudem wird die Abtrennung der Immobilienaktivitäten von dem Handelsgeschäft erwogen. Es wird erwartet, dass die Verkäufe von Geschäftsbereichen in diesem und im nächstem Jahr einen Liquiditätseffekt von 1,1 Milliarden Euro erbringen.
Neuausrichtung der Marken
Im Versandhandel steht nun eine Neupositionierung der Marken Quelle und Neckermann sowie die Forcierung der Wachstumsbereiche Spezialversand, Ausland und Internet-Versand im Vordergrund. Der Dienstleistungsbereich werde sich auf "handelsnahe Dienstleistungen" konzentrieren, hieß es.
Zahlen zum möglicherweise geplanten Abbau von 8500 Stellen, über den im Vorfeld spekuliert worden war, bestätigte das Unternehmen nicht. Zeitungsberichten zufolge sollen insgesamt 77 der zur Zeit 180 Warenhäuser ausgegliedert und zahlreiche Beteiligungen verkauft werden. Einzelheiten will Konzernchef Christoph Achenbach am Dienstag in Essen mitteilen.
Zuvor hatte Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff in einem SPIEGEL-Interview mit dramatischen Worten die Krise des Konzerns beschrieben: "Es geht ums Überleben." Zur Rettung des Unternehmens sei ein echter Solidarpakt von Mitarbeitern, Führungskräften, Gesellschaftern und Banken nötig. Ohne schmerzhaften Personalabbau werde es nicht gehen.
"Alles, was nicht Stammgeschäft ist, steht zur Disposition", sagte Middelhoff dem SPIEGEL. Dies gelte etwa auch für die Textilhauskette SinnLeffers. Am 50-Prozent-Anteil am Reiseveranstalter Thomas Cook werde KarstadtQuelle aber festhalten. Auch die Beteiligung am Deutschen Sportfernsehen (DSF) stehe derzeit nicht zur Debatte, so Middelhoff.
Aktie bricht drastisch ein
Nach den jüngsten Hiobsbotschaften über die Lage der KarstadtQuelle AG war deren Aktie am Montag drastisch eingebrochen. Das Papier verlor bis Handelsschluss mehr als sechs Prozent an Wert.