KarstadtQuelle: Experten befürchten Kollaps - DER SPIEGEL
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KarstadtQuelle Experten befürchten Kollaps

Der Aufsichtsrat von KarstadtQuelle hat mit seiner Zustimmung zum Sanierungsprogramm für den Konzern den Weg für einen Neuanfang frei gemacht. Ob aber die Rettung in letzter Minute gelingt, daran zweifeln Experten. Sie halten den angeschlagenen Kaufhauskonzern in der derzeitigen Form für nicht sanierungsfähig.
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Berlin - "Es ist richtig, dass der Konzern sich von kleineren Häusern trennt, um sich auf erfolgreiche Häuser und seine Marke zu konzentrieren", sagte Volkhardt Klöppner, Handelsexperte der Unternehmensberatung BBDO Consulting, dem "Tagesspiegel".

Es werde aber schwierig sein, für Warenhäuser und Immobilien in kleinen und mittleren Städten Käufer oder andere Nutzer zu finden, sagte Klöppner. Auch James Bacos von der Unternehmensberatung Mercer sagte der Zeitung: "Ich glaube nicht, dass ein strategischer Käufer die kleineren Standorte übernehmen würde." Von den 181 Karstadt-Häusern arbeiten nach Informationen der Zeitung aus Branchenkreisen nur 26 profitabel.

Der Sanierungsplan sieht nach inoffiziellen Angaben den Abbau von bis zu 8500 Stellen vor. Zudem sollen 77 der 181 Karstadt-Filialen abgestoßen und in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden. Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis und zum weiteren Abbau der Nettofinanzverschuldung sei eine Kapitalerhöhung mit einem Emissionsvolumen von 500 Millionen Euro vorgesehen, teilte das Unternehmen am Montagabend in Essen in einer Pflichtveröffentlichung mit.

Neuausrichtung der Marken

Weiterer Bestandteil der vom Aufsichtsrat beschlossenen Neuausrichtung sei ein Maßnahmenpaket mit Bewertungs- und Restrukturierungsmaßnahmen. Dieses Paket werde das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres einmalig in der Höhe bis zu 1,4 Milliarden Euro belasten, hieß es von Konzernseite. Das Management plane auf Basis der Neuausrichtung bereits für das Geschäftsjahr 2005 ein deutlich positives Ergebnis.

Das Einzelhandels-Geschäft soll sich künftig auf das so genannte Kernportfolio mit 4,5 Milliarden Euro Umsatz konzentrieren. Vom Nicht-Kernportfolio mit einem Umsatz von 0,7 Milliarden Euro will der Konzern sich trennen. Zudem wird die Abtrennung der Immobilienaktivitäten von dem Handelsgeschäft erwogen. Es wird erwartet, dass die Verkäufe von Geschäftsbereichen in diesem und im nächstem Jahr einen Liquiditätseffekt von 1,1 Milliarden Euro erbringen.

Im Versandhandel steht nun eine Neupositionierung der Marken Quelle und Neckermann sowie die Forcierung der Wachstumsbereiche Spezialversand, Ausland und Internet-Versand im Vordergrund. Der Dienstleistungsbereich werde sich auf "handelsnahe Dienstleistungen" konzentrieren, hieß es. Einzelheiten will Konzernchef Christoph Achenbach am Dienstag in Essen mitteilen.

Zuvor hatte Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff in einem SPIEGEL-Interview mit dramatischen Worten die Krise des Konzerns beschrieben: "Es geht ums Überleben." Zur Rettung des Unternehmens sei ein echter Solidarpakt von Mitarbeitern, Führungskräften, Gesellschaftern und Banken nötig. Ohne schmerzhaften Personalabbau werde es nicht gehen.

Aktie bricht drastisch ein

"Alles, was nicht Stammgeschäft ist, steht zur Disposition", sagte Middelhoff dem SPIEGEL. Dies gelte etwa auch für die Textilhauskette SinnLeffers. Am 50-Prozent-Anteil am Reiseveranstalter Thomas Cook werde KarstadtQuelle aber festhalten. Auch die Beteiligung am deutschen Sportfernsehen (DSF) stehe derzeit nicht zur Debatte, so Middelhoff.

Nach den jüngsten Hiobsbotschaften über die Lage der KarstadtQuelle AG war deren Aktie am Montag drastisch eingebrochen. Das Papier verlor bis Handelschluss mehr als sechs Prozent an Wert.