KarstadtQuelle: Gewinnwarnung verschreckt Anleger - DER SPIEGEL
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KarstadtQuelle Gewinnwarnung verschreckt Anleger

Nach der Rosskur während der vergangenen zwei Jahre hatten viele bereits das Ende der Krise ausgerufen. Die Entwarnung kommt etwas zu früh. Heute musste KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff eine Gewinnwarnung bekannt geben.
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Düsseldorf - Der Versandhandel entwickelt sich zum Problemfall im KarstadtQuelle-Konzern. Entgegen der Erwartungen ging der Umsatz in dieser Konzernsparte noch einmal um elf Prozent zurück. "Der Universalversand in Deutschland liegt hinter Plan und unter Vorjahr", sagte Middelhoff heute in Düsseldorf. Die Sanierung dieses Konzernzweigs werde KarstadtQuelle nun "mit Hochdruck vorantreiben" und bis 2007 abschließen. Um die Infrastrukturkosten senken zu können, sei ein außerordentlicher Sanierungsaufwand in Höhe von 200 Millionen Euro geplant.

Die Karstadt-Warenhäuser legten dagegen zu und erreichten ein Umsatzplus von 3,2 Prozent. "Es war das beste erste Halbjahr seit Jahren", sagte Middelhoff. Der positive Effekt durch die Fußball-Weltmeisterschaft sei deutlich spürbar. Der Reiseveranstalter Thomas Cook, an dem KarstadtQuelle 50 Prozent hält, erreichte ein Umsatzplus von 1,1 Prozent und verzeichnete 5,6 Prozent mehr Buchungen.

Die guten Geschäfte mit den Warenhäusern und Reisen konnten den Rückgang im Versandhandel nicht wettmachen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird nach Middelhoffs Angaben nur noch um rund zehn Prozent über dem Vorjahreswert liegen und nicht - wie angekündigt - um 20 Prozent.

Der bereinigte Konzernumsatz ging um 4,2 Prozent auf 6,47 Milliarden Euro zurück. Das Ebitda sank auf minus 41,7 Millionen Euro gegenüber einem Plus von 19,4 Millionen im ersten Halbjahr 2005. Durch die Verkäufe von Immobilien lag das Konzernergebnis bei plus 558,1 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch ein Minus von 271,9 Millionen Euro ausgewiesen.

Aktienkurs gerät unter Druck

Trotzdem gab sich Middelhoff zuversichtlich. Zwei Jahre nach der "bedrohlichen Schieflage" sei KarstadtQuelle nun "aus dem Gröbsten heraus". Angesichts der reduzierten Gewinnprognose können Anleger und Analysten dieser These allerdings nicht ganz folgen. Die Aktien von KarstadtQuelle gerieten gleich zu Beginn des Handels an der Börse kräftig unter Druck. Sie verloren zeitweise mehr als 8,5 Prozent.

"Ein Rückgang beim Umsatz und Probleme mit dem Versand waren erwartet worden - allerdings nicht in diesem Ausmaß", erklärte ein Händler die deutlichen Kursverluste. Auch ein weiterer Börsianer zeigte sich enttäuscht, "diese Zahlen sind doch eine ziemlich negative Überraschung", sagte er. Am Markt seien wohl auch einige auf dem falschen Fuß erwischt worden und versuchten jetzt, sich von ihren Papieren zu trennen.

"Diese Gewinnwarnung ist sehr schlecht für Karstadt, am Markt macht sich jetzt die Sorge breit, dass auch in diesem Jahr wieder Verluste verzeichnet werden könnten", sagte ein Analyst. Zudem sei nun die etwas positivere Eigenkapitalquote deutlich gefährdet. "Es sieht so aus, als ob der Versandhandel ein Fass ohne Boden werden könnte", so der Experte weiter. Zudem sei das "Tafelsilber" bereits verkauft - insgesamt dürfte der Markt sehr enttäuscht sein.

mik/Reuters/dpa-AFX