KarstadtQuelle Hickhack um Filialschließungen
Essen/Hamburg - In seiner aktuellen Ausgabe berichtet der "Stern", KarstadtQuelle wolle 25 seiner 180 Warenhäuser schließen. Personalvorstand Helmut Merkel wird mit den Worten zitiert, er werde "alles Menschenmögliche" tun, damit nicht mehr als die bereits angekündigten 4000 Stellen eingespart werden müssten. Merkel wolle Ende September bekannt geben, welche Filialen dem Sparzwang zum Opfer fallen würden, so das Magazin.
KarstadtQuelle wies den "Stern"-Bericht als falsch zurück. Es gebe kein Schließungsprogramm, sagte heute ein Unternehmenssprecher. Aufgegeben beziehungsweise in Karstadt-Sport-Standorte umgewandelt würden - wie bereits bekannt gegeben - nur drei Filialen in Wiesbaden, Krefeld und Kiel-Wik. Ansonsten bleibe es bei dem bekannten Zeitplan, der eine Konkretisierung des Sanierungsprogramms Ende September vorsehe.
Nach dem Dementi meldete sich das Magazin heute jedoch nochmals zu Wort: Merkel habe im Interview ausdrücklich von "Schließungen" gesprochen. Die Zitate seien zudem ausdrücklich autorisiert worden. Die "Stern"-Redaktion veröffenlichte außerdem ein weiteres Zitat Merkels, das in der gedruckten Ausgabe nicht zu lesen ist. "Für 25 Häuser gibt es eine Exitstrategie. Das wird drei bis fünf Jahre dauern", soll der KarstadtQuelle-Manager gesagt haben. Auf Nachfrage habe Merkel zugestimmt, dass dies die Schließung dieser Anzahl an Filialen bedeute. Ein KarstadtQuelle-Sprecher bezeichnete diesen Satz als "vollständig aus dem Zusammenhang gerissen". Es sei "irreführend und falsch", daraus eine Bestätigung für Schließungspläne abzuleiten.
Die Dienstleistunggewerkschaft Ver.di wollte sich zu den angeblichen Filialschließungen nicht äußern. Sie befürchtet allerdings schmerzhafte Einschnitte für die Mitarbeiter der Essener Warenhauskette. "Wir sehen uns mit der Tatsache konfrontiert, dass in die tariflichen Regelungen eingegriffen werden soll", sagte Ver.di-Unternehmens-Betreuerin Gertrud Tippel-Kluth. Die Unternehmensleitung hat dem Gesamtbetriebsrat von KarstadtQuelle ein Maßnahmen-Paket vorgelegt. Dabei geht es laut Ver.di neben dem Abbau von Arbeitsplätzen um die Streichung von Urlaubstagen und Arbeitszeitverlängerungen ohne Lohnausgleich.
Hintergrund für die angeblichen Schließungspläne sind die anhaltenden Umsatz- und Ergebnisrückgänge des Essener Konzerns. Die größte europäische Warenhaus- und Versandhandelsgruppe ächzt wie kaum ein anderes Branchenunternehmen unter der Kaufzurückhaltung der Deutschen. Mit der Konzentration des Sortiments auf Kernbereiche sowie der Hereinnahme von Partnern will der Konzern den Erlöseinbruch stoppen.
Im ersten Halbjahr weitete KarstadtQuelle seinen operativen Verlust um 100 Millionen auf 290 Millionen Euro aus. Für das Gesamtjahr rechnet Vorstandschef Christoph Achenbach jetzt mit einem Minus von mindestens 200 Millionen Euro.
In diesem Zusammenhang hatte das Unternehmen Anfang Juli angekündigt, seinen Sparkurs zu verschärfen und bis 2006 rund 4000 Arbeitsplätze vor allem in der Verwaltung zu streichen. Dabei soll es auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen.