KarstadtQuelle Middelhoff wieder ganz oben
Bislang hatte der Konzern offen gelassen, ob Middelhoff das Amt des Vorsitzenden übernehmen oder lediglich einfaches Aufsichtsratsmitglied werden solle. Mit ihm rückt auch der bisherige Rewe-Chef Hans Reischl in das Gremium auf. Eine Führungsrolle von Middelhoff beflügelt Spekulationen, wonach größere Änderungen im Eigentümerkreis des Konzerns bevorstehen. Middelhoff ist Repräsentant der britischen Investmentfirma Investcorp. In Medienberichten war spekuliert worden, dass Investcorp den KarstadtQuelle-Anteil des Versicherers Allianz übernehmen könnte.
Verlustbereiche streichen, Sortiment modernisieren
Auch strukturell stehen dem Handelskonzern Veränderungen bevor. KarstadtQuelle setzt angesichts der Krise im Einzelhandel auf ein umfassendes Programm zur Sicherung seiner Ertragskraft. Dies schließe massive Veränderungen der Geschäftsmodelle ein, erklärte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Urban vor den Aktionären. Der Konzern müsse einen schnellen Anpassungsprozess vollziehen.
Für die Umsetzung des Programms im Warenhaussegment würden drei Jahre veranschlagt, sagte Urban. Geplant sei unter anderem, Verlustbereiche zu streichen, das Sortiment zu modernisieren und die Fixkosten zu verringern. Bis 2007 soll das Programm zu einer Ergebnisverbesserung um rund 300 Millionen Euro führen. KarstadtQuelle unterhält in Deutschland 180 Warenhäuser.
Um die malade Warenhaussparte zu stärken sind nach den Worten des Konzernlenkers auch internationale Partnerschaften möglich. Denkbar sei dies zum Beispiel bei Eigenmarken oder Importen, sagte Urban. Kaufhäuser im Ausland selbst zu betreiben würde hingegen ein nicht kalkulierbares Risiko bedeuten.
Expansion im Sportbereich
Geeignet für eine Internationalisierung sind nach Urbans Worten allerdings die Sportfachgeschäfte des Konzerns. So ist die Kette Runners Point bereits in den Niederlanden und in Österreich präsent.
Weitere Filialen im Ausland seien geplant. "Wir beobachten insbesondere die Wachstumsmärkte in Asien sehr genau", fügte der Vorstandsvorsitzende hinzu. Hier könnten sich im Rahmen von Partnerschaften "interessante Optionen" ergeben. Außerdem kündigte Urban für das kommende Jahr im Sportbereich Aktivitäten in Osteuropa an.
Im laufenden Jahr schließt der Konzern bei anhaltender Konsumflaute einen Verlust im operativen Geschäft nicht aus. Viel hänge davon ab, ob die Ausgabenbereitschaft der Verbraucher wieder zunehme und die Branche das erwartete einprozentige Wachstum erreiche, sagte Urban.
Im ersten Quartal ging der Umsatz nach den Worten Urbans um 4,4 Prozent auf 3,52 Milliarden Euro zurück. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern und Abschreibungen sei um 23 Millionen auf minus 171 Millionen Euro gesunken.
Die Monate Januar und Februar seien äußerst schwach gewesen, erklärte der Vorstandschef. Im März habe der Konzern aber wieder etwas Boden gut machen können. "Die Einzelhandelslandschaft ist weiterhin von einem intensiven Preiswettbewerb und anhaltender Kaufzurückhaltung geprägt", sagte Urban. Die im MDax notierte KarstadtQuelle-Aktie gab bis zum späten Vormittag um 4,3 Prozent auf 17,19 Euro nach.
Im vergangenen Jahr war der Umsatz des Warenhaus- und Versandhandelskonzerns um 3,4 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro gesunken. Das bereinigte Vorsteuerergebnis ging von 238 Millionen Euro auf neun Millionen Euro zurück. Damit hatte Urban seine Ziele verfehlt. Vor den Aktionären räumte er ein, dass der Geschäftsverlauf 2003 "nicht zufrieden stellend" gewesen sei.