KarstadtQuelle Schlagabtausch um Wertheim-Erbe
Berlin/Essen - Der Konflikt zwischen KarstadtQuelle und den Wertheim-Erben hat sich heute erheblich verschärft. Der Direktor der Jewish Claims Conference, Roman Haller, und die Sprecherin der Erben, Barbara Principe, gingen in einer internationalen Pressekonferenz in Berlin an die Öffentlichkeit. Sie wandten sich mit ihren Ansprüchen auf eine Millionen-Entschädigung für in der Nazi-Zeit enteigneten Grundbesitz erstmals direkt an den Vorstandschef der KarstadtQuelle AG, Thomas Middelhoff. Sie forderten ihn persönlich auf, die seit Jahren ablehnende Haltung aufzugeben.
Der KarstadtQuelle-Konzern kritisierte seinerseits scharf die Pressekampagne. Sprecher Jörg Howe sagte: "Derzeit versucht die JCC mit Emotionen Druck auf die KarstadtQuelle AG auszuüben." Dies sei ein "untauglicher Versuch".
Howe bekräftigte die Rechtsauffassung des Konzerns, es gebe "ohne letztinstanzliche juristische Klärung für uns als Aktiengesellschaft keine Möglichkeit einer außergerichtlichen Einigung". Das Unternehmen strebe "eine präzise juristische Lösung an, um die strittigen Fragen ein für alle Mal rechtsverbindlich zu klären".
Dem hielten Haller, Principe sowie der Publizist Henryk M. Broder und der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) bei ihrem Auftritt in Berlin vor allem moralische Appelle und Forderungen entgegen.
Haller, dessen Organisation mit gerichtlicher Bestätigung durch das Bundesverwaltungsgericht die Ansprüche der während der Nazi-Zeit enteigneten jüdischen Eigentümer vertritt, stellte an KarstadtQuelle-Chef Middelhoff die Frage: "Wie können Sie es mit Anstand und Moral vereinbaren, dass Sie sämtliche Gerichtsurteile ignorieren? Erkennen sie diese an, das wäre gut für die jüdischen Überlebenden, für Deutschland und die Firma Karstadt." Baum sagte, Karstadt spiele auf Zeit. Das sei "in Wiedergutmachungsfällen nicht moralisch".
Verkauf an Hertie für eine Mark
Im Kern geht der seit Jahren dauernde Konflikt um eine Entschädigung für das sogenannte Lenné-Dreieck am Potsdamer Platz in Berlin. Das Gebiet gehörte ursprünglich zur DDR und kam 1988 im Zuge eines Austauschs in die Hände des Berliner Senats. Dieser gab es zum symbolischen Preis von einer Mark an das Warenhaus Hertie weiter.
KarstadtQuelle übernahm das Areal nach der Wende und verkaufte es für 145 Millionen Euro an den Metro-Gründer Otto Beisheim. Der errichtete auf dem Filetstück im neuen Zentrum der Hauptstadt das Beisheim-Center, wo sich unter anderem die Luxushotels Marriott und das Ritz-Carlton befinden, in dem heute die Pressekonferenz stattfand.
Das Bundesamt für offene Vermögensfragen hatte das Eigentumsrecht der Wertheim-Erben an den fraglichen Grundstücken im August bestätigt. KarstadtQuelle kündigte daraufhin an, Rechtsmittel einzulegen.
Der Berliner Anwalt der Wertheim-Familie, Matthias Druba, veröffentlichte Zahlen, wonach im Fall einer letztinstanzlichen Niederlage der Schaden für KarstadtQuelle sich in den kommenden fünf Jahren auf bis zu 609 Millionen Euro summieren könnte, falls auch Beisheim Entschädigung fordert. Principe sagte, für sie und ihre Familie sei es am schlimmsten, "dass Karstadt nicht ernsthaft erwartet, vor Gericht zu gewinnen, und trotzdem weitermacht".
kaz/dpa