KarstadtQuelle Vorstandschef Deuss wirft das Handtuch
Düsseldorf - Deuss, der am 1. Mai 65 Jahre alt wurde, war 33 Jahre Mitglied des Karstadt-Vorstandes und 18 Jahre dessen Sprecher und Vorsitzender. Nach dem Zusammenschluss von Karstadt und Quelle hatte der Manager einräumen müssen, dass die vor der Fusion vorgelegten Ergebnisprognosen erheblich unterschritten wurden.
Nachfolger an der Spitze des Essener Handelsriesen soll der 55- jährige Ex-Metro-Manager Wolfgang Urban werden. Urban ist in dem Konzern bereits für die Leitung des wichtigen Warenhausgeschäfts verantwortlich. Der Chefwechsel soll schon zum 1. Oktober vollzogen werden. Die Börse reagierte auf den angekündigten Rückzug des Spitzenmanagers mit einem kräftigen Kursanstieg.
Der scheidende Konzernchef hatte nach Kurseinbrüchen in den vergangenen Wochen vor der Hauptversammlung in Düsseldorf eine falsche Einschätzung der Unternehmensentwicklung im ersten Geschäftsjahr des neuen Konzerns eingestanden. "Wir haben uns in der Tat geirrt", sagte Deuss. Bereits 1999 hatte der neu geschaffene Handelsriese sein angekündigtes Ergebnisziel mit 503 Millionen Mark vor Steuern um 202 Millionen Mark verfehlt.
In einer turbulent geführten Diskussion äußerten Aktionärssprecher Zweifel an den Chancen des neuen Konzernchefs, die anstehenden Probleme in den Griff zu bekommen. Es müsse eine "radikale Umkehr" geben, forderten sie. Vor allem die Informationspolitik des Handelsriesen geriet immer wieder ins Zentrum der Kritik. Dadurch sei es zu einem Vertrauensverlust bei Aktionären und Anlegern gekommen. "Sie werden eines Tages vor einem Schrotthaufen stehen", meinte ein Kleinaktionär.