Kartellbedenken: Russen stoppen Siemens-Vorstoß - DER SPIEGEL
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Kartellbedenken Russen stoppen Siemens-Vorstoß

Vor zwei Tagen noch feierten Kanzler Schröder und Russlands Präsident Putin ihre Partnerschaft und versprachen, die Wirtschaftsbeziehungen auszubauen. Jetzt gibt es für Siemens schlechte Nachrichten aus Moskau: Den Deutschen ist der lange geplante Kauf eines großen Turbinenherstellers untersagt worden.
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Moskau - Der Einstieg des Münchener Technologiekonzerns Siemens beim russischen Anlagenbauer Power Machines ist am Widerstand der russischen Kartellbehörden gescheitert. Auch die Bedeutung von Power Machines für die russische Rüstungsindustrie spielte dabei offenbar eine Rolle.

Ein Vertreter der russischen Kartellbehörde sagte, das Gebot von Siemens sei abgelehnt worden, weil der Einstieg den Wettbewerb auf dem Markt für Anlagen zur Energieerzeugung eingeschränkt hätte. Nach Angaben von Siemens begründete die Behörde ihr Nein aber auch mit dem Geschäft von Power Machines (Silowije Maschini) in der Verteidigungstechnik. In der Erklärung der Wettbewerbsbehörde heiße es, es gäbe keine Grundlage für die Beteiligung ausländischer Firmen an russischen Unternehmen, die sich mit Militärtechnik befassten, sagte ein Siemens-Sprecher. "Wir bedauern das natürlich, aber wir nehmen das zur Kenntnis", sagte er.

Kritische Teile für Atom-U-Boote

Damit ist ein wichtiger Zukauf des Münchener Industrieriesen geplatzt, der in jüngster Zeit wieder verstärkt als Käufer von Unternehmen aufgetreten war. Siemens hat sich zum Ziel gesetzt, auf dem russischen Markt deutlich zu wachsen und den Umsatz von zuletzt etwa einer Milliarde Euro auszubauen. "Wir werden weiter auf dem russischen Kraftwerksmarkt tätig sein. In welcher Form, ist noch offen", sagte der Siemens-Sprecher zur Ablehnung des Einstiegs beim dortigen Marktführer.

Power Machines gilt als führender Anbieter von Kraftwerkstechnik in Russland. Das Geschäft mit Produkten für die Rüstungsindustrie ist nach Angaben von Siemens sehr klein. Siemens hatte gemeinsam mit dem bisherigen Eigentümer von Power Machines, dem russischen Industriekonglomerat Interros, über ein Gemeinschaftsunternehmen gut 70 Prozent der Anteile kontrollieren und die Geschäftsführung übernehmen wollen.

Das Geschäft schien zunächst auch auf die Zustimmung des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu stoßen. Später häuften sich jedoch die Bedenken, da Power Machines auch Teile für die russischen Atom-U-Boote und die Rüstungsindustrie produziert. Analysten hatten die Entscheidung als wichtigen Hinweis darauf angesehen, wie Russland mit ausländischen Investoren umgehe.

Zuletzt hatte sich Siemens mit der CTI Molecular Imaging in der Medizintechnik verstärkt und die Übernahme des Getriebeherstellers Flender in Bocholt bekannt gegeben. Für die beiden Zukäufe investiert Siemens etwa zwei Milliarden Euro. Investoren drängen Siemens seit langem, den Barmittelbestand von weit mehr als zehn Milliarden Euro für Übernahmen zu nutzen oder auszuschütten. Im vergangenen Jahr war Siemens mit dem Versuch gescheitert, Teile des angeschlagenen französischen Alstom-Konzerns zu übernehmen.

Die Siemens-Aktie reagierte nicht auf den gescheiterten Vorstoß in Russland. Die Aktie lag am Vormittag bei 62,05 Euro mit 0,6 Prozent im Plus und tendierte damit ähnlich wie der Gesamtmarkt.