Kartellverdacht: Razzien-Serie bei Shell, Bayer & Co. - DER SPIEGEL
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Kartellverdacht Razzien-Serie bei Shell, Bayer & Co.

Mit frisch aufgestocktem Personal geht die EU-Wettbewerbsbehörde forsch gegen mögliche Kartell-Sünder vor. Bei mehreren Razzien hat sie die Zentralen von Konzernen wie Bayer, Shell und Exxon durchsuchen lassen.
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Brüssel - Bei den Kartellvorwürfen gegen Unternehmen der Chemie-, Asphalt- und Mineralölbranche geht es um zwei mögliche verbotene Preiskartelle, ließ die EU-Behörde mitteilen. Sie bestätigte zwar, dass mehrere Konzernzentralen durchsucht wurden. Namen der betroffenen Unternehmen wollte sie, wie in solchen Fällen üblich, aber nicht nennen.

Allerdings wurde bekannt, dass unter anderem Royal Dutch/Shell, Exxon und die Bayer AG betroffen sind. Der Bayer-Konzern hat am Donnerstag nach einem Bericht der "Financial Times" selbst eingeräumt, wegen des Verdachts auf Preisabsprachen bei Kautschukchemikalien ins Visier des Wettbewerbskommissar Mario Monti geraten zu sein. Auch die US-Kartellbehörde ermittele. Kautschuk wird vor allem für die Produktion von Autoreifen verwendet. Ermittlungen in diesem Zusammenhang richten sich auch gegen den US-Spezialchemiekalienhersteller Crompton.

Shell und Exxon wiederum sollen sich auf dem Markt für den Asphalt-Rohstoff Bitumen abgesprochen haben. Sollte die EU-Behörde hinreichend Beweise finden, drohen den Unternehmen förmliche Kartellverfahren mit möglicherweise hohen Bußgeldern.

Die Durchsuchungen bei den Kautschuk-Herstellern sollen Ende September stattgefunden haben. Bei Bayer sei die Zentrale in Leverkusen von EU-Beamten durchsucht worden, bestätigte der Konzern. Auch in den USA habe es Untersuchungen gegeben.

Zu den Vorwürfen selbst wolle Bayer nicht Stellung nehmen. Man warte das Ergebnis der Ermittlungen ab und arbeite mit den Behörden zusammen. Um welche Art von Absprachen es sich handeln soll, könne er nicht sagen, fügte der Sprecher hinzu. Der Bereich Kautschukchemikalien stehe für einen Umsatz von 290 Millionen Euro im Jahr.

Die Razzien bei den Bitumen-Produzenten sind am 1. und 2. Oktober unangekündigt durchgeführt worden. Betroffen waren neben den bekannten Firmen unter anderem Unternehmen in den Niederlanden, Belgien, Portugal, Spanien und Dänemark. Der Schwerpunkt der Kartelle liege in Spanien und den Beneluxstaaten sowie Luxemburg, so die EU. Zudem durchleuchtet die niederländische Wettbewerbsaufsicht derzeit den dortigen Baumarkt auf Absprachen.

Montis Sprecherin betonte in Brüssel, aus der Tatsache, dass Razzien durchgeführt wurden, sei nicht automatisch auf die Schuld der Konzerne zu schließen. Die Betroffenen hätten nun das Recht zu Stellungnahmen und Anhörungen. Die EU-Wettbewerbshüter statten Unternehmen allerdings üblicherweise nur dann einen unangekündigten Hausbesuch ab, wenn sie hinreichend Indizien für Vergehen gegen EU-Kartellrecht haben. Die Brüsseler Behörde hatte ihre Personaldecke für Ermittlungen in der Vergangenheit deutlich aufgestockt, weil sie in Kartellen einen der gröbsten Verstöße zum Nachteil von Verbrauchern sieht. EU-Untersuchungen von Preis- oder Marktabsprachen dauern - je nach Komplexität des Falles und der Kooperation der beschuldigten Unternehmen - bis zu mehreren Jahren.