Kartellverfahren Microsoft versucht Zeit zu schinden
Washington - Das Unternehmen brauche weitere Zeit, um einen überarbeiteten Vergleichsvorschlag im Kartellverfahren abzuwägen, schrieb Microsoft in einem am Dienstag veröffentlichten Antrag an die zuständige Bezirksrichterin Colleen Kollar-Kotelly. Am Mittwoch sollte zunächst eine Anhörung darüber beginnen, ob der Vergleichsvorschlag im öffentlichen Interesse ist.
Die neun Bundesstaaten, die sich dem Vergleich zwischen der US-Regierung und dem Software-Konzern bislang nicht anschlossen, hatten am Montag einen revidierten Kompromissvorschlag vorgelegt. Der neue Vorschlag stellt klar, was die Kläger von Microsoft fordern: dass der Softwareriese "eine einzige unvermischte Version seines Betriebssystems" anbietet, die ohne Extras wie Internet-Browser oder Video-Player ausgeliefert wird.
Ballmers Mär von Milliarden verschiedener Versionen
-
2 Min
Der Vorschlag sei überraschend gekommen, nachdem Microsoft bereits mit den Zeugen von acht Bundesstaaten dieser Gruppe gesprochen hatte, teilte das Unternehmen mit.
Der Verdacht liegt nahe, dass Microsoft auf Zeit spielt. Der neue Kompromissvorschlag der klagenden Bundesstaaten war nämlich eine Reaktion auf die ziemlich unsinnige Behauptung von Microsoft-CEO Steve Ballmer, die Kläger forderten, dass Microsoft "Tausende von Millionen" von verschiedenen Windows-Versionen auf den Markt bringen müsse, wenn sein Unternehmen den Rechtsstreit verliere. Dies, so Ballmer, würde bedeuten, dass Microsoft das Betriebssystem Windows komplett vom Markt nehmen müsse, weil die Forderungen der Kläger de facto nicht zu erfüllen seien.
Im November hatte sich der Konzern mit der US-Regierung auf einen Vergleichsvorschlag geeinigt, mit dem der jahrelange Rechtsstreit um das Marktmonopol von Microsoft beim Betriebssystem Windows beigelegt werden soll. Dieser Kompromiss wird bisher aber nur von der Hälfte der ebenfalls klagenden 18 US-Bundesstaaten mitgetragen. Die anderen neun Staaten fordern härtere Sanktionen.