Kasse machen - DER SPIEGEL
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Pleiten Kasse machen

Berlins Senat hat kaum eine Chance, seine Millionen-Forderungen gegen die frühere Erfolgsarchitektin Sigrid Kressmann-Zschach einzutreiben. Die Bauherrin hat viele Grundstücke inzwischen verkauft.
• aus DER SPIEGEL 48/1974
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Auf dem Grundstücksmarkt in Frankfurt und Berlin, selbst in der Schweiz tritt ein seltsamer Verkäufer auf. Sigrid Kressmann-Zschach (SKZ), einst als Baulöwin und Multimillionärin hochgeschätzt, versucht Kasse zu machen.

Mit einem 20-Mann-Büro kämpft die Architektin, die noch im vergangenen Jahr mit einem Stab von weit über 200 Mitarbeitern Mammutobjekte in Steglitz und am Kurfürstendamm hochzog, nur noch um ein Ziel: Sie will sich ihren »Beruf nicht wegnehmen und vom Senatsklüngel nicht in die Knie zwingen lassen«.

Mit ihren Gegenspielern trifft sie sich nur noch vor Gericht, und das nicht einmal ohne Erfolg. Denn immer rascher schwinden die Chancen des Berliner Senats, jene Millionen zurückzubekommen, die einst aus der Steuerkasse in die seit Monaten leerstehende. vor sich hin rottende 330-Millionen-Mark-Ruine Steglitzer Kreisel flossen.

Erst in der letzten Woche mußte sich Finanzsenator Heinz Striek vom Landgericht belehren lassen, daß er nicht einmal jenen Teil eines 12,8-Millionen-Darlehens zurückbekommen kann, für den sich die Bauherrin selbst verbürgt hatte. Die rechtlichen Voraussetzungen für eine Zwangsvollstreckung lägen, so fanden die Richter, nicht vor.

Auch wenn das Urteil anders ausgefallen wäre, hätte der Gerichtsvollzieher nur bescheidene Chancen gehabt, fündig zu werden. Von den Millionen, mit denen SKZ während ihres beruflichen Höhenfluges hantiert hatte, ist an Pfändbarem nicht viel geblieben.

Die in den Steglitzer Kreisel und das Kurfürstendamm-Karree investierten SKZ-Millionen sind, soweit sie nicht bereits von den Banken kassiert wurden, wegen der Pleite beziehungsweise der desolaten Ertragslage kaum noch etwas wert.

Auch an Grundstücken scheint nicht mehr viel zu holen. Immobilienbesitz in Berlin und Frankfurt hat Kressmann-Zschach bereits versilbert, um laufenden Verpflichtungen nachzukommen. Auch ihr Chalet am Lago Maggiore ist verkauft.

Sowenig der Senat an diese Erlöse. mit denen die frühere Erfolgsfrau Leben und Büro finanziert, herankommt. so sicher steht ihm eine ungleich teurere SKZ-Erbschaft ins Haus: Da der seit Monaten feilgebotene Steglitzer Kreisel um keinen Preis zu verkaufen ist bis zur Schlüsselfertigkeit wären noch 80-100 Millionen Mark fällig, und die sind durch Vermietung kaum hereinzuholen -, wird die Stadt kaum umhinkönnen, den Pleite-Kreisel doch noch aufzufangen.

Dann freilich beginnt zusätzlicher Ärger. Der neue Eigentümer nämlich wird sich mit dem Gedanken befreunden müssen, daß er niemanden für teure Reparaturen in Anspruch nehmen kann. sondern selbst voll für eventuelle Baumängel haftet. Die frühere Bauherrin kann sich damit herausreden, sie habe keinerlei Einfluß mehr auf das gehabt, was sich in und an der Ruine abspielt. Nach der Einstellung der Arbeiten ist das Objekt entgegen den Usancen der Branche nicht ordnungsgemäß geprüft und abgenommen worden; der Konkursverwalter hat auf die Hilfestellung der ehemaligen Bauherrin verzichtet.

Überdies glaubt die Architektin ein Urheberrecht an dem Steglitzer Abschreibungsdenkmal in Anspruch nehmen zu können. »Ich bin«, so Kressmann-Zschach«, auf den Tag gespannt. an dem der neue Besitzer kommt und einfach auf meinem geistigen Eigentum aufbauen will.«

Genau das allerdings will derzeit niemand -- jedenfalls nicht öffentlich. Ein Bauherr bestand unlängst darauf, daß bei einem kleineren Objekt, das nach Kressmann-Plänen errichtet wird, der Name der Architektin auf dem Bauschild nicht erscheint.

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