"Katrina"-Verwüstung US-Raffinerien bleiben geschlossen
London/Hamburg - Auch am Wochenende waren noch sieben der insgesamt acht von "Katrina" beschädigten Raffinerien in Louisiana und Mississippi geschlossen. Die Schäden sind beträchtlich: So teilte die Ölfirma Murphy Oil mit, in einer Raffinerie in Louisiana lecke ein Öltank mit rund 85.000 Barrel Rohöl. Das US-Energieministerium fürchtet, dass die Reparaturen bei einigen der Anlagen Monate in Anspruch nehmen könnten. Zwölf Raffinerien haben ihre Kapazitäten seit dem Hurrikan gedrosselt. Insgesamt fallen damit weiterhin etwa zehn Prozent der US-Benzin- und Dieselproduktion aus.
Ebenso betroffen ist die Ölförderung. Fast 80 Prozent der US-Ölproduktion im Golf von Mexiko liegen brach. Mindestens 20 Bohrinseln oder Plattformen werden weiterhin vermisst, sind gesunken oder aus der Verankerung gerissen. Die Pipelines, die Roh- und Heizöl, Benzin oder Diesel nach Norden pumpen, werden inzwischen nach und nach wieder in Betrieb genommen.
Ölpreis sinkt
Trotz der prekären Lage hat sich die Lage am Ölmarkt leicht entspannt. Das Fass Nordseeöl verbilligte sich in London um 2,4 Prozent auf 64,49 Dollar. Wegen des Labor Day beteiligte sich der US-Markt heute nicht am Handelsgeschehen. Am Freitag hatte der Preis für einen Barrel der US-Leichtölsorte WTI 1,90 Dollar auf 66,90 Dollar nachgegeben.
Auslöser des Preisrückgangs war die Entscheidung der Internationalen Energiebehörde (IEA), die weltweiten Ölreserven für die USA zu öffnen. David Thurtel, Rohstoff-Stratege bei der Commonwealth Bank of Australia erklärte, die Freigabe der strategischen Reserven habe den Markt beruhigt. "Ich denke, wir haben das Schlimmste überstanden", sagte Thurtel.
Beobachter sehen keine Konjunkturfolgen
Beobachter warnen unterdessen vor einer Überbewertung der konjunkturellen Folgen. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet keine drastischen Auswirkungen des Anstiegs der Ölpreise auf die Konjunktur in Deutschland. "Nach dem Ausfall von Raffinerien in den USA tut das bei der Inflationsrate weh", sagte RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn. "Das ist aber nur ein vorübergehender Effekt."
Die weltweite Konjunktur ist durch den langfristig gestiegenen Ölpreis nach Ansicht von Döhrn kaum beeinflusst worden. "Der Rohölpreis hat sich in den vergangenen 18 Monaten zwar mehr als verdoppelt. Wir sind aber überrascht, wie wenig passiert. Man hatte immer gesagt, dass so etwas die Konjunktur dämpfen müsste."
Auch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte erklärte, das teure Öl werde die Konjunktur in Deutschland nicht abwürgen. "Der hohe Ölpreis hat Kostensenkungen, Restrukturierungen und Konsolidierungen in der deutschen Wirtschaft begünstigt", heißt es in einer Studie des Instituts, die der "Financial Times Deutschland" (Montagsausgabe) vorliegt. Zudem sei die Wirtschaft weniger vom Öl abhängig als früher; es sei unwahrscheinlich, dass die Inflation aus dem Ruder laufe.