Kaufhof Mit "Zebralino" ins Netz
Frechen - "Zebralino.de" heißt der Laden, an dem derzeit noch die Kaufhof-Tochter Gemini Medienvertriebsgesellschaft in Frechen bei Köln mit Hochdruck bastelt. Seit eineinhalb Jahren werkeln die Kaufhof-Internetexperten laut "Manager Magazin Online" an dem streng geheimen Projekt. Gemini-Geschäftsführer Mark Frese wollte den Laden schon im Sommer eröffnen; ab Juli sollte eine Werbekampagne die Shopmarke bekannt machen. Falls Frese den derzeitigen Starttermin im September einhalten kann, würde dies immerhin noch fürs Weihnachtsgeschäft ausreichen.
Die Verzögerung führen Branchenkenner auf schwierige Verhandlungen mit den Spielwarenherstellern zurück, die vor dem Webvertrieb noch zurückschrecken. Freses Mitarbeiter hatten das Shop-Konzept im Februar auf der Nürnberger Spielwarenmesse einigen Lieferanten präsentiert. Dort stießen sie aber nicht nur auf Zustimmung, im Gegenteil: Einige Spielzeughersteller sollen sich massiv gegen die Pläne ausgesprochen haben.
Die Kaufhof Warenhaus AG nimmt mit der Änderung der E-Commerce-Strategie erstmals keine Rücksicht mehr auf ihr stationäres Kaufhausgeschäft. Kaufhof-Zebralino tritt auch mit dem Webshop Primus Toys von Primus Online in Konkurrenz, die im Metro-Verbund aufgebaut worden ist.
Auch andere Unternehmen wie KarstadtQuelle oder Otto dürften sich von der neuen Shopmarke Zebralino herausgefordert fühlen. Der Otto-Versand hat sich vor einigen Monaten an der Internetfirma Mytoys.de beteiligt, um im Webhandel mit Spielzeug mitzumischen. Karstadt-Quelle will sich demnächst erneut in diesem Sektor versuchen, nachdem dies unter der Marke My-World nicht geklappt hatte.
Der Spielzeugmarkt ist mit einem Volumen von gut sechs Milliarden Mark in Deutschland indes nicht nur lukrativ. Er ist zumindest im Internet auch extrem schwierig. Eine ganze Reihe von Firmen sind bereits am Onlinevertrieb von Spielwaren gescheitert.
Der Spielzeugriese Toys 'R' Us war im Weihnachtsgeschäft 1999 in den USA furios abgestürzt: Er sah sich nicht in der Lage, die bestellten Waren pünktlich zu liefern. Vor wenigen Wochen hat Toys 'R' Us seinen Spielzeugvertrieb mit demjenigen von Amazon.com zusammengelegt auch Amazon war bislang im Webvertrieb von Kinderprodukten nicht erfolgreich. Der US-Spielzeughändler Toysmart (Disney) hat im Frühjahr pleite gemacht; und soeben hat die deutsche Niederlassung von Etoys in München ihre Geschäfte eingestellt.