Kauflust: Briten und Spanier rangeln um norisbank - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kauflust Briten und Spanier rangeln um norisbank

Die kränkelnde HypoVereinsbank will die hoch profitable Tochter norisbank losschlagen, die Käufer stehen Schlange. Den deutschen Bewerbern werden aber schlechte Chancen eingeräumt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nürnberg/München - Gleich zwei schottische Banken bieten, auch die englisch-asiatische Großbank HSBC soll Interesse signalisiert haben: Laut einem Bericht des "Handelsblatts" gibt es bis zu zehn ernsthafte Interessenten für die kleine Nürnberger Tochter der HVB. Dazu sollen unter anderem auch Halifax Bank of Scotland (HBOS) und die Royal Bank of Scotland gehören. Die ausländischen Institute sind offenbar bereit, einen hohen Preis zu zahlen, um über die stark expandierende norisbank Zugang zum deutschen Markt zu erhalten.

Die erwartete Preisspanne der Angebote reiche von 300 bis 500 Millionen Euro, so der Bericht. Nur wenn die Offerten eng beieinander lägen und drei bis vier Institute in die engere Auswahl kämen, sei aber ein veritables Bietergefecht zu erwarten. Der Preis könne dann bis auf 600 Millionen Euro steigen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Bankenkreise.

Neben den Briten sollen auch BNP Paribas aus Paris und die Spanier von der Banco Bilbao Vizcaya Argentaria und Banco Santander Central Hispano interessiert sein. In Deutschland werden Postbank, Citibank und die ING-Tochter DiBa zu den seriösen Interessenten gerechnet. Sie allerdings wollen angeblich vor allem die standardisierten Kreditplattform easyCredit erwerben, seien aber an Filialen und Mitarbeitern nicht interessiert. Bei einem Kauf durch die Deutschen wäre somit wohl mit Entlassungen und Filialschließungen zu rechnen, deshalb seien sie keine Wunschkandidaten.

Die Nürnberger norisbank ist derweil im ersten Quartal des laufenden Jahres weiter gewachsen. Die kleine HVB-Tochter verbesserte ihr Ergebnis vor Steuern in den ersten drei Monaten um 51 Prozent auf 11,3 Millionen Euro. Der Neuumsatz mit dem easyCredit sei - bereinigt um das HVB-Geschäft - um 22 Prozent auf 187 Millionen Euro geklettert, sagte norisbank-Vorstandssprecher Theophil Graband am Mittwoch.

Graband rechnet noch in diesem Sommer mit einem Verkauf durch die HVB: "Es wird ein heißer Sommer." Die Norisbank gehört erst seit 1999 zur HVB. Sie soll unter anderem deshalb verkauft werden, weil sie nicht mehr in die Strategie passt, sich auf das gehobene Privatkundengeschäft und den Mittelstand zu konzentrieren. Die HVB will auch die Mehrheit an der Vereins- und Westbank verkaufen.