Kaum Einnahmen Bonos Charity-Kampagne "Red" floppt
Columbus - Es war nicht so, dass der Kampagne die berühmten Werbe-Gesichter gefehlt hätten. Supertalkerin Ophra Winfrey etwa widmete "Red" eine ganze Sendung, Steven Spielberg und Christy Turlington setzten sich für Bonos Idee ein, und die beteiligten Unternehmen produzierten teure Werbespots. Die Hersteller, die für Bonos Label "Red" Produkte entwarfen und einen Anteil für den Kampf gegen Aids stifteten, gehören zu den ganz großen. Designer-Legende Giorgio Armani entwarf etwa eine Sonnenbrille, Motorola ein "Red"-Handy, Apple einen iPod, Gap gleich mehrere Klamotten. Und alle machten kräftig Werbung.
Richard Feachem, Geschäftsführer des Global Fund to fight Aids - dem Teile der Einnahmen zuflossen - erklärte dem "Boston Globe" im Dezember sagte, insgesamt würden die Marketingkosten für die Kampagne nach der Weihnachtszeit wohl etwa bei 100 Millionen Dollar liegen. Allein die Modefirma Gap gab im vierten Quartal 2006 dem Internetportal "AdvertisingAge" zufolge 7,8 Millionen Dollar ihres 58-Millionen-Dollar-Budgets für "Red" aus.
Umso erschreckender nimmt sich die Summe aus, die der Verkauf von "Red"-Produkten im ersten Jahr der Kampagne tatsächlich zur Aids-Bekämpfung beigesteuert hat: Dem Internetportal "AdvertisingAge" zufolge sind das gerade einmal 18 Millionen Dollar.
Der schmale Ertrag wird den Kritikern der Kampagne wohl neue Argumente liefern. Denn nicht jeder findet Bonos Engagement uneingeschränkt bewundernswert: Die Queen schlug den Briten zwar kürzlich zum Ritter und die "Neue Zürcher Zeitung" machte ihn in einem Porträt zum "Heiligen Bono". Viele Aktivisten bemängelten jedoch, Bono hätte einen Ablasshandel gestartet. Das Label suggeriere, man könne durch Konsum Gutes tun. Stattdessen sollten Menschen, die Gutes tun wollen, ihr Geld aber lieber direkt wohltätigen Organisationen spenden.
Doch genau das bewirke die Kampagne ja, verteidigt der Global Fund Bonos Engagement. So habe die Zahl der privaten Spenden nach dem Start der "Red"-Kampagne sprunghaft zugenommen, hieß es. "Red hat so viel bewirkt, wie wir uns in der kurzen Zeit erhoffen konnten, seit dem die Kampagne läuft", zitiert "AdvertisingAge" Rajesh Anandan, der für Private-Public-Partnerships beim Global Fund zuständig ist. Die Kosten beim Start einer solchen Kampagne seien immer sehr hoch. Feachem, hatte bereits vergangenen August in der "Zeit" erklärt, dass die Summe privater Spenden sich dank "Red" in nur wenigen Wochen auf 15 Millionen Dollar verdreifacht hätten. Na wenigstens etwas.
ase