Kehrtwende Bahn-Zentrale bleibt in Berlin
Berlin/Hamburg - "Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, hat dem Bundesverkehrsminister versichert, dass ein Umzug der Konzernzentrale nicht zur Debatte steht", sagte der Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, Dirk Inger, in Berlin.
Er bestätigte damit einen Bericht der "Berliner Morgenpost", die sich auf ein Gespräch mit Mehdorn am Vorabend berufen hatte. Dabei habe der Bahn-Chef Berichte als "Missverständnis" bezeichnet, die Bahn wolle im Zusammenhang mit einer geplanten Beteiligung an dem Hamburger Hafenbetreiber HHLA und der Hochbahn AG mit der Konzernspitze nach Hamburg umziehen.
An dieser Missverständnis-Theorie hielt der Konzern heute in einer ersten Stellungnahme fest. "Die Deutsche Bahn beabsichtigt nicht, ihren Sitz von Berlin nach Hamburg zu verlegen", hieß es am Mittag. Das sei auch nie anders gewesen. Die semantisch interessante Begründung: Das Unternehmen habe nie den "Umzug der Zentrale", sondern nur "die Verlagerung zentraler Funktionen" nach Hamburg angeboten. Von einem "Rückzieher" oder einer geänderten Strategie könne daher keine Rede sein.
Verwirrung in Hamburg, Wowereit jubelt
Dem Hamburger Senat reagierte verwirrt und überrascht. In der Senatskanzlei war man am Mittag um Aufklärung über die Mitteilung aus dem Bundesverkehrsministerium bemüht. Die Wirtschaftsbehörde erfuhr nach eigenen Angaben erst durch Journalistenanfragen von der Entscheidung. Ein Sprecher der Finanzbehörde sagte, es gebe "keine Erkenntnisse, dass die Bahn von ihrer bisherigen Linie abweicht". "Die Sachlage hat sich nicht verändert", fügte er hinzu.
Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte der Bahn einen Einstieg beim Hafenbetreiber und der Hochbahn angeboten. Im Gegenzug hatte er am 25. November öffentlich den Umzug des Bahn-Konzernsitzes in die Hansestadt in Aussicht gestellt. Beust sagte heute, er wolle seine Gespräche mit der Bahn trotz allem fortsetzen. "Ich rechne damit, dass wir etwa Mitte März ein bewertbares Ergebnis vorliegen haben", so der Bürgermeister.
Die Umzugsdebatte war auf starken Widerstand in Berlin gestoßen. Die Merkel-Regierung hatte die Bahn aufgefordert, aus standortpolitischen Gründen in der Hauptstadt zu bleiben. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bewertete Mehdorns Aussage heute denn auch als positives Zeichen. Er freue sich, dass sich die Bundesregierung so für den Standort Berlin und den Verbleib der Bahn eingesetzt habe.
Zugleich betonte Wowereit sein Interesse an einer guten Kooperation mit dem Unternehmen. "Berlin bekennt sich zur Bahn und wir haben Interesse daran, dass sich die Bahn zu Berlin bekennt." Die Stadt werde die Bahn mit allen stadtplanerischen Mitteln dabei unterstützen, einen neuen Standort für die Zentrale zu finden, unterstrich der Regierungschef. Er sei im Gespräch mit Mehdorn, das Verhältnis sei nicht so schlecht, wie oft berichtet.