Keine Einigung: Bau-Tarifgespräche sind gescheitert - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Keine Einigung Bau-Tarifgespräche sind gescheitert

Die dritte Tarifrunde im Bauhauptgewerbe wurde ergebnislos abgebrochen, Arbeitnehmer und Gewerkschaft warfen sich gegenseitig mangelnde Verhandlungsbereitschaft vor. Jetzt muss die IG Bau entscheiden, ob ein Schlichtungsverfahren eingeleitet wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Die Tarifverhandlungen für die rund 700.000 Beschäftigten der Baubranche sind ohne Annäherung beendet worden. Arbeitgeber und Gewerkschaft IG Bau teilten am Dienstagabend mit, die entscheidende dritte Runde sei ohne Ergebnis und ohne einen neuen Termin ausgegangen. Die Arbeitgeber hatten erneut kein Angebot vorgelegt.

IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel bezeichnete es als unvermeidlich, das Scheitern der Verhandlungen zu erklären. Der Gewerkschaftsvorstand werde dazu an diesem Montag einen Beschluss fassen. Eine vorherige Rückkehr an den Verhandlungstisch sei ausgeschlossen.

Die Arbeitgeber wollen Lohn- und Gehaltserhöhungen regional stärker differenzieren. Sie plädieren dafür, künftige bundeseinheitliche Grundlöhne am niedrigeren Ostniveau zu orientieren und dann um regionale Zuschläge zu erhöhen. Dies lehnt die IG Bau ab und sieht vielmehr den höheren Ecklohn in Westdeutschland als Basis für die Angleichung und für künftige Lohnerhöhungen.

Die Sprecherin der Arbeitgeber sagte, zwar sei kein Lohnangebot vorgelegt worden. Beim Thema Angleichung der Mindestlöhne in den West- und Ost-Bundesländern hätten die Unternehmen jedoch eine Erhöhung für ungelernte Arbeiter vorgeschlagen. Das Angebot sei der IG Bau aber offenbar zu gering gewesen.

Die Gewerkschaft will Lohnanhebungen von sechs Prozent durchsetzen - und hat damit die höchste Lohnforderung seit 14 Jahren gestellt. "Die Arbeitgeber versuchen, sich hinter der Krise zu verstecken", hatte Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel zum Auftakt der dritten Runde gesagt. Wiesehügel beklagte, es gebe ein "Falken-Lager" im ostdeutschen Handwerk, das eine Annäherung verhindere. In einer Schlichtung müsse es zunächst einmal darum gehen, die Arbeitgeberseite auf eine Linie zu bringen.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Frank Dupré, äußerte sich "überrascht über die fehlende Verhandlungsbereitschaft der Gewerkschaft". Er hoffe weiter, dass ein Weg gefunden werde, um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zu erreichen.

Das Schlichtungsverfahren würde erneut Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement leiten. Einen Streik gibt es erst nach einem Scheitern des Vermittlungsversuchs - also frühestens in vier bis fünf Wochen.

ore/dpa/Reuters/AP/ddp